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Stipendien der Stiftung Niedersachsen für Medienkunst am Edith-Russ-Haus für Medienkunst 2016

Ermöglicht durch die Stiftung Niedersachsen hat das Edith-Russ-Haus für Medienkunst für das Jahr 2016 drei sechsmonatige und mit 10.000 Euro dotierte Arbeitsstipendien vergeben.

Die Stiftung Niedersachsen fördert das Stipendienprogramm des Edith-Russ-Hauses kontinuierlich seit 2001. Das Programm ist zu einem Aushängeschild des Edith-Russ-Hauses geworden. Viele der in Oldenburg entstandenen Arbeiten wurden nach ihrer Realisierung in internationalen Ausstellungen präsentiert und mit Preisen ausgezeichnet.

Mit ihrer Förderung will die Stiftung Niedersachsen eines der führenden Häuser für Medienkunst in Deutschland nachhaltig stärken, seine an Qualität orientierte Profilierung unterstützen, um so die Schaffung von Kunst zu ermöglichen und internationale Vernetzungen und lokale Anknüpfungspunkte zu schaffen.

Die Stipendien für Medienkunst der Stiftung Niedersachsen am Edith-Russ-Haus für Medienkunst 2016 - jeweils dotiert mit 10.000 Euro - gehen an:

Doireann O'Malley: Prototypes

Zorka Wollny: Impossible Opera

Amir Yatziv: Cold Fronts or Winter Wonderlands?

Jury:

Sebastian Cichocki
Galit Eilat
Edit Molnár
Marcel Schwierin

Für weitere biografische Informationen der einzelnen Jurymitglieder klicken sie bitte hier.

Jurybegründungen:

Doireann O'Malley
Prototypes

Doireann O'Malleys Film Prototypes führt Transgender-Studien, Science Fiction, Biopolitik, Psychoanalyse, künstliche Intelligenz und experimentelle Musik zusammen. Diese werden geschickt mit Trugbildern modernistischer Utopien verknüpft, verkörpert durch die Nachkriegsarchitektur Berlins, welche den geisterhaften Handlungen der Protagonisten als traumartige Kulisse dient. In der Arbeit verbinden sich kurze Blicke in die Zukunft mit den (nicht eingehaltenen) Versprechen der Vergangenheit. Die Künstlerin vollzieht einen tiefgehenden Verständnisprozess nach, der die Verwandlung von einer Frau zum Mann aus psychiatrischer, sprachlicher und medizinischer Perspektive betrachtet. Die Jury zog die grausame Schönheit und Eigenständigkeit von Doireann O'Malleys Vision in den Bann, welche das Potenzial hat, zu einer einzigartigen, scharfsinnigen Arbeit zu werden, welche ein Publikum außerhalb der Welt der Kunst erreichen wird.

Zorka Wollny
Impossible Opera

Zorka Wollnys Projekt Impossible Opera ist eine interdisziplinäre Performance, die Elemente wie die Architektur eines Kunsthauses, einen Chor von Darstellern und einige Trommeln beinhaltet. Sie wird in einer Reihe von Treffen realisiert werden, an denen Berufs- und Amateurmusiker teilnehmen. Wollny bringt soziale und akustische Kräfte zusammen und arbeitet dabei mit unterschiedlichen Gruppen von Menschen, mit dem Ziel, den Ausstellungsraum als ein großes Instrument zu aktivieren. Die Arbeit, die aus unsichtbaren Materialien wie Gemurmel, Schlürfen und Pfiffen gebildet wird, ist so abstrakt wie politisch, so poetisch wie bodenständig. Die Jury war beeindruckt von dem ergebnisoffenen, flexiblen und prozessorientierten Charakter von Zorka Wollnys Vorhaben, das an die Architektur des Edith-Russ-Hauses angepasst und von ihr modifiziert werden wird. Die Ortspezifität des Projekts und seine offene Struktur versprechen eine enge und spannende Beziehung zwischen Institution und Künstlerin.

Amir Yatziv
Cold Fronts or Winter Wonderlands?

Amir Yatzivs Videoarbeiten untergraben die üblichen Grenzen zwischen dem Dokumentarischen und der Simulation nicht-fiktionaler Stoffe und Fakten. Yatziv untersucht die Bildsprache der Kinematografie, um die Geschichte der bewegten Bilder mit Realität zu konfrontieren und kritisch widerzuspiegeln. Diese Art des Filmemachens entspricht der aktuellen Suche nach einem glaubwürdigen Mittel, wesentliche Erkenntnisse aus der jüngsten Vergangenheit darzustellen, dabei aber die Rolle des "passiven Zeugen" zu vermeiden, welche dem Dokumentarischen implizit ist. In Yatzivs Arbeiten verflechten sich Wahrheit, Fiktion und das kollektive (kinematografische) Gedächtnis, sie analysieren und hinterfragen zugleich die Konventionen der Visualisierung von Geschichte. Ausgangspunkt seiner kommenden Produktion, Cold Fronts or Winter Wonderlands?, ist eine 3D-Simulation des Konzentrationslagers Auschwitz, die im Auftrag der Stuttgarter Polizei entstand und bei der Ahndung von Nazi-Verbrechen helfen soll. In diese Simulation fügt Yatziv neue Interviews mit den Menschen ein, die solche virtuellen Räume für Polizei oder Militär schaffen. Er verwendet hier dieselben Hilfsmittel wie die Polizei bei ihrer kriminaltechnischen Simulation, um die von den Behörden vertretene Version der Ereignisse in Frage zu stellen. Die Jury war begeistert von der Art, mit der Yatziv die Dynamik der kollektiven Geschichte hervorhebt, welche durch Literatur, Kino, den Krieg thematisierende Computerspiele und deren mögliche ideologische Bedeutungen vermittelt werden. Er betont die nicht absehbaren Veränderungen, die in realen Situationen auftreten können und die spürbare und paradoxe Auswirkungen haben.

Edith-Russ-Haus für Medienkunst, Katharinenstraße 23, D-26121 Oldenburg, Tel.: +49(0)441/235-3208, Fax.: +49(0)441/235-2161
Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 14 - 18 Uhr, Samstag - Sonntag 11 - 18 Uhr, Montag geschlossen info@edith-russ-haus.de
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