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Stipendien der Stiftung Niedersachsen für Medienkunst 2018 am Edith-Russ-Haus

Ermöglicht durch die Stiftung Niedersachsen vergibt das Edith-Russ-Haus für Medienkunst jedes Jahr drei sechsmonatige und mit jeweils 10.000 Euro dotierte Arbeitsstipendien. Insgesamt hatten sich 357 Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt für die Stipendien beworben. 

Wir freuen uns, die Vergabe der Stipendien an Petra Bauer, Zach Blas und Daniel Jacoby bekanntzugeben.

Die Jury bestand aus:

• Charles Esche, Van Abbemuseum, Eindhoven
• Edit Molnár, Edith-Russ-Haus
• Marcel Schwierin, Edith-Russ-Haus
• Joanna Sokołowska, Muzeum Sztuki, Łódź

 

Jurystatement:

 

Sex and Drugs and Work Forever!


Die Jury war beeindruckt von der durchgängig hohen Qualität der Bewerbungen, wie auch von der Tatsache, dass viele der eingereichten Beiträge ähnliche Fragestellungen verfolgten. So gab es insbesondere eine Reihe von Projekten, die sich mit den Arbeitsbedingungen in einer technologisch geprägten Gesellschaft beschäftigen. Das gemeinsame Interesse der drei Stipendienprojekte gilt Sex und Drogenkonsum als Aktivitäten, die in den vergangenen Jahren grundlegend verdinglicht und kommerzialisiert wurden. Alle drei nutzen Artefakte oder Personen der modernistischen Vergangenheit als eine Art Brennglas, um unsere gegenwärtigen Verhältnisse zu interpretieren, in denen wir als einzelne Arbeitskräfte – von schlecht bezahlten Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern bis zum hyperproduktiven (und – sexualisierten) Management im Silicon Valley – auf unterschiedlichen Ebenen der Gesellschaft tätig sind.

 


Die Stipendienprojekte :

 

Petra Bauer: Looking for Jeanne

Petra Bauer stellt sich die Frage, was sich seit der Entstehung von Chantal Akermans Kultfilm Jeanne Dielman, 23, quai du Commerce, 1080 Bruxelles (1975) in den Künsten und in der Gesellschaft verändert hat. Akermans Film zeigte vor fast fünfzig Jahren den Alltag einer Frau als Hausfrau, Mutter und Sexarbeiterin. Die Jury begrüßte das Bestreben, nach einer Jeanne Dielman von heute zu suchen, deren Leben immer noch von Genderrollen eingeschränkt wird, aber durch die globale neoliberale Ordnung verändert wurde. Bauer schlägt vor, in Zusammenarbeit mit einer Gruppe von Sexarbeiterinnen in Schottland einen neuen Film zu realisieren, der sich mit den heutigen Bedingungen von Sexarbeit auseinandersetzt. Dies wird der erste Teil einer Filmtrilogie sein, welche die praktischen Erfahrungen mit geschlechtsspezifischer Arbeit im heutigen Europa untersucht.


Zach Blas: The Doors

Zach Blas’ immersive Filminstallation wird die derzeitige Aneignung von Drogen und psychotropen Substanzen im Silicon Valley untersuchen. Seine Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie sich das Silicon Valley Magie, Mystizismus, Drogen, Religionen und Kulte aneignet, um die Vision einer techno-utopischen Welt zu erzeugen. Im Mittelpunkt von The Doors stehen Nootropica (sogenannte Smart Drugs), die bei der Tech-Elite zur Steigerung der kognitiven Fähigkeiten außerordentlich beliebt sind. Nootropica wie LSD sind nicht mehr, wie in den 1960er-Jahren, mit der Gegenkultur und ihrem psychedelischen Glauben an die Öffnung von neuen „Pforten der Wahrnehmung“ verbunden. Stattdessen wurden sie zu effizienten Instrumenten, die es „High Value“-Arbeitskräften leichter macht, ewig zu leben – und zu arbeiten.

Daniel Jacoby: The Expression of an Egg

Daniel Jacoby thematisiert die Welt digitaler Sexarbeit, in der isolierte Webcam-Sex-Performerinnen und Performer eine Existenz als Einzelunternehmer gründen. Dies gibt ihnen ein Gefühl von Unabhängigkeit, endet jedoch immer wieder in Selbstausbeutung, Missbrauch, Ungerechtigkeit und Sexismus. Obwohl sich Webcamming zu einer bedeutenden Industrie entwickelt hat, wurde das Phänomen bislang nur sehr selten künstlerisch reflektiert. Das Projekt will sich dem Thema aus einer alternativen, indirekten Perspektive nähern und wählt die Form eines experimentellen Dokumentarfilms mit fiktionalem Subtext. Der Künstler wird ein Drehbuch schreiben, das von Kōbō Abes japanischem Klassiker The Face of Another (Das Gesicht des Anderen) angeregt ist. Der Film soll von den Web-Performern in ihren eigenen Räumen gespielt werden und ihre Erfahrungen und Geschichten vermitteln. Der Film sucht nach flüchtigen Bildern von Authentizität; diese werden durch die Brüche in den Charakteren und Situationen sichtbar, die diese Webcam-Darsteller sorgsam konstruieren, um ihre reale Identität vor den Blicken der Öffentlichkeit zu schützen.

 


Die Stipendien

Ermöglicht durch die Stiftung Niedersachsen hat das Edith-Russ-Haus für Medienkunst für das Jahr 2018 drei sechsmonatige und mit 10.000 Euro dotierte Arbeitsstipendien vergeben.
Die Stiftung Niedersachsen fördert das Stipendienprogramm des Edith-Russ-Hauses kontinuierlich seit 2001. Das Programm ist zu einem Aushängeschild des Edith-Russ-Hauses geworden. Viele der in Oldenburg entstandenen Arbeiten wurden nach ihrer Realisierung in internationalen Ausstellungen präsentiert und mit Preisen ausgezeichnet.
Mit ihrer Förderung will die Stiftung Niedersachsen eines der führenden Häuser für Medienkunst in Deutschland nachhaltig stärken, seine an Qualität orientierte Profilierung unterstützen, um so die Schaffung von Kunst zu ermöglichen und internationale Vernetzungen und lokale Anknüpfungspunkte zu schaffen.

 

 

 

 
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
info(at)edith-russ-haus.de; Tel.: 0441 235-3208

Edith-Russ-Haus für Medienkunst, Katharinenstraße 23, D-26121 Oldenburg, Tel.: +49(0)441/235-3208, Fax.: +49(0)441/235-2161
Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 14 - 18 Uhr, Samstag - Sonntag 11 - 18 Uhr, Montag geschlossen info@edith-russ-haus.de
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