Ausstellung

Against the Day

Eoghan Ryan
31.01.2024 - 24.03.2024
  • Circle A. Videostill © Eoghan Ryan 2023
    Circle A. Videostill © Eoghan Ryan 2023
  • Circle A. Videostill © Eoghan Ryan 2023
    Circle A. Videostill © Eoghan Ryan 2023
  • Truly Rural. Videostill © Eoghan Ryan 2019
    Truly Rural. Videostill © Eoghan Ryan 2019
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Die Einzelausstellung Against the Day des irischen Künstlers Eoghan Ryan im Edith-Russ-Haus für Medienkunst umfasst die Medien Bewegtbild, Installation, Performance, Puppenspiel und Collage. Neben drei früheren Installationen wird erstmals Ryans neue Videoinstallation Circle A (2023) präsentiert, die im Rahmen seines Stipendiums der Stiftung Niedersachsen am Edith-Russ-Haus entstand. Seine Arbeiten untersuchen die hochkomplexe Art und Weise, wie durch Medienkultur und Sprache Macht vermittelt wird. Sie arbeiten mit Personen, Charakteren und nicht inszenierten Gesprächen und entwickeln sich zu fabelähnlichen Auseinandersetzungen mit dem Kollektiven und dem Persönlichen als „Institutionen“. Against the Day ist eine Spekulation darüber, wie die Kunst und ihre institutionellen Strukturen mit Momenten des Aufstands, des Widerstands oder der Revolte koexistieren können. Die Ausstellung wirft die Frage auf: Was bedeutet es, heute, in einer unsicheren Gegenwart zu leben?

Circle A beruht auf einer stark redigierten Unterhaltung von fünf Unbekannten in einer Kunstbuchhandlung. Ihre Diskussion kreist um den Begriff „Anarchie“, um seine Abstraktheit und um die Frage, wie dieses Wort auf ebenso reale wie imaginäre Weise funktioniert. Als Reaktion auf die Ordnung und als ambitionierter Einfall bringt die Videoinstallation Anarchie in die Sprache des alltäglichen Betrachters ein und lädt zu einem Gedankenexperiment ein, wie man beginnen könnte, ein System aufzulösen.

Die früheren Installationen Doggerel (2022), Truly Rural (2019) und A Sod State (2021) werden in drei unterschiedlich gestalteten Räumen präsentiert. Sie widmen sich beunruhigenden Themen wie der Zerstörung einer gemeinsamen Vorstellung von Europa durch den zunehmenden Nationalismus oder den ländlichen Regionen als einem Umfeld, in dem sich die Verachtung entlädt und der Faschismus lauert. A Sod State zeigt Ryans besonderen Blick auf die Welt der Politik und betrachtet „The Troubles“ – den Nordirlandkonflikt – vor und nach dem Brexit als ein sich wiederholendes Polit-Theater. Dieser Konflikt, der räumlich und historisch im Kopf eines ziemlich verwirrten Iren verortet ist, bringt einen inneren Demagogen zum Vorschein, der die binären Widersprüche von Klasse, Glauben, Identität sowie persönlicher, öffentlicher und politischer Grenzen ausagiert.

Truly Rural ist eine schmerzhaft aktuelle und dringliche Auseinandersetzung mit einem Thema, das ein Protagonist des Films gleich zu Beginn der Arbeit auf den Punkt bringt: „Wir denken, dass die Leute auf eine Weise irregeleitet werden, die ihre Verantwortlichkeit auslöscht. Aber ich denke, dass den Leuten irgendwie klar ist, worauf sie sich einlassen. An einem bestimmten Punkt im Leben wird man mit seinem eigenen Faschismus konfrontiert … und dann beschließt man, ihn zu ignorieren.“

Die Installationen werden durch eine große Collage aus Zeitungsfotos und Artikeln miteinander verbunden, die die Wände des gesamten Untergeschosses bedecken. Diese vergrößerten Ausschnitte sind aus einem stetig wachsenden Archiv aus Tausenden von Bildern ausgewählt, die Ryan seit fünfzehn Jahren alle zwei Wochen von seinem Vater erhält. Ryans Vater klebt diese Ausschnitte oft auf Papier auf und collagiert sie gemäß einer internen Hierarchie und Relevanz, die er in Gesprächen mit seinem Sohn festlegt. Darunter finden sich beispielsweise Bilder von aktuellen Demonstrationen, Kratern, Handtaschen und Augenklappen.

Dieser „Service“, den Ryans Vater erbringt, steht nicht nur für eine Verbindung, die in ihrer Beziehung nicht ausgesprochen werden kann; er begrenzt zugleich das Bezugsfeld des Künstlers auf die Offline-Materialität der Zeitungen, die sein Vater liest. Mithilfe von Wiederholungen und Bearbeitungen untersucht Ryan, wie ein einziges Bild oder eine einzige Überschrift aus einer Tageszeitung – einschließlich ganz aktueller Ausgaben – herausgeschnitten, in einen anderen Kontext gestellt und zu einer Geschichte gemacht werden kann.

Eoghan Ryan erhielt 2023 eines der Stipendien für Medienkunst der Stiftung Niedersachsen am Edith-Russ-Haus für Medienkunst.

https://eoghanryan.ie

    A Sod State (2021), Excerpt

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