Stipendien 2019

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Stipendien der Stiftung Niedersachsen für Medienkunst 2019 am Edith-Russ-Haus

Ermöglicht durch die Stiftung Niedersachsen vergibt das Edith-Russ-Haus für Medienkunst jedes Jahr drei sechsmonatige und mit jeweils 10.000 Euro dotierte Arbeitsstipendien. Insgesamt hatten sich 436 Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt für die Stipendien beworben.

Wir freuen uns, die Vergabe der Stipendien an Viktor BrimMario Pfeifer und Kim Schoen bekanntzugeben.

Die Jury bestand aus:

• Nav Haq, Senior Kurator M HKA, Antwerpen
• Edit Molnár, Leiterin Edith-Russ-Haus, Oldenburg
• Marcel Schwierin, Leiter Edith-Russ-Haus, Oldenburg
• Monika Szewczyk, Direktorin De Appel, Amsterdam

 

Jurystatement

Bei einer Höchstzahl an Bewerbungen, die in der Geschichte des Stipendiums je eingereicht wurden, war die Jury von der hohen Qualität der Projektvorschläge beeindruckt. Während einige gemeinsame Themen und Tendenzen erkennbar waren, wurde die endgültige Auswahl aufgrund der Sorgfalt der Recherche, der ästhetischen Qualität und der Klarheit der Vision der individuellen Künstler getroffen. Mit der Vergabe dieser Stipendien wird die Produktion je einer wichtigen neuen Arbeit im Œuvre der drei ausgewählten Künstler ermöglicht, die sich alle mit heute sehr relevanten Themen beschäftigen.

 

Viktor Brim


Dark Matter - Filmstill © Viktor Brim 2019

Brims Projektvorschlag Practical Fiction zeichnet ein Kontinuum zwischen der Rohstoffpolitik in der Sowjetunion unter Josef Stalin und in Wladimir Putins Russischer Föderation, insbesondere anhand des Beispiels der Diamantenmine Mir in Jakutien, Sibirien. Der Künstler wird einen Film, den er dort drehen wird, und eine neue Publikation, die seine Archivrecherchen über die sowjetische und russische Rhetorik versammelt, mit einer Auswahl weiterer Materialien zu einer Ausstellung kombinieren.
Während Brims bemerkenswerte filmische Arbeit eine komplexe Betrachtung der Auswirkungen verschiedener Regime auf eine bestimmte Landschaft bietet, lädt sein Fokus auf Sibirien auch zu einer umfassenderen Reflexion über Rohstoffausbeutung im weltweiten Maßstab ein.

 

Mario Pfeifer


Zelle 5 – Renderings/Production Stills © Mario Pfeifer Studio

Im Anschluss an seine Videoinstallation Again / Noch einmal (2018) führt Pfeifer in seiner neuen Installation Zelle 5 – 800 °Celsius die Untersuchung ungeklärter Vorfälle rund um den gewaltsamen Tod von Menschen, die in Deutschland Zuflucht suchten, fort. Während Again ein Tribunal anstelle eines Gerichtsprozesses, der nie stattgefunden hat, inszeniert – in diesem Fall für Schabas Saleh Al-Aziz, einen Iraker, der eine Woche vor dem Anhörungsverfahren gegen die vier Männer, die ihn, ihm Gewalttätigkeit unterstellend, in einem Supermarkt aufgegriffen und an einen Baum gefesselt hatten, an Unterkühlung starb –, wirft Zelle 5 neue Fragen über den Feuertod des aus Sierra Leone stammenden Flüchtlings Oury Jalloh auf, da Beweise zerstört wurden. Pfeifer aktiviert sein Publikum als Geschworene, während er zugleich die entscheidende Rolle von Medien und Vermittlung für die Bildung der gesellschaftlichen Meinung betont.

 

Kim Schoen


Kim Schoen, Video still from Baragouin, work-in-progress, 2019

Kim Schoen, die sich in den letzten zehn Jahren mit den Themen Unsinn und Wiederholung beschäftigt hat, wird mit der experimentellen Installation Baragouin (betitelt nach einem französischen Wort für unverständliches Kauderwelsch) einen Wendepunkt in ihrem Schaffen markieren. Mit dieser Arbeit verleiht die Künstlerin Objekten eine Stimme, nämlich Reproduktionen von Skulpturen, deren Ursprünge vom Buddhismus über das Rokoko und den Neoklassizismus bis zur Moderne reichen und die sie in einem (inzwischen geschlossenen) gewerblichen Ausstellungsraum in Los Angeles fand. Von der Hypothese ausgehend, dass der Handel eine lingua franca schafft, sieht ihr Projekt vor, mit dieser Gruppe von Skulpturen eine „Nonsens-Oper“ aufzuführen.
In Zusammenarbeit mit einem Kunsthistoriker und einem Stimmtalent, das den Klang von Sprachen aus der ganzen Welt imitieren kann, wird Baragouin die Skulpturen präsentieren, als „redeten“ sie in Stimmen, die mit ihrer ursprünglichen Herkunft verbunden sind. Durch diese kommerziellen Reproduktionen zusammen mit dem Echo von Sprachen wird der Museologie ein grotesker Spiegel vorgehalten.

 

 

Das Stipendium der Stiftung Niedersachsen am Edith-Russ-Haus für Medienkunst fördert ein breites Spektrum der Medienkunst, von Videokunst und netzbasierten Projekten bis hin zu Klang- oder audiovisuellen Installationen. Das Stipendium wird für die Produktion eines neuen Projekts im Bereich der Medienkunst vergeben. 

 

 

 

Die Vergabe der Stipendien wird von einer internationalen Jury entschieden.  


 
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
info(at)edith-russ-haus.de; Tel.: 0441 235-3208

Edith-Russ-Haus für Medienkunst, Katharinenstraße 23, D-26121 Oldenburg, Tel.: +49(0)441/235-3208, Fax.: +49(0)441/235-2161
Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 14 - 18 Uhr, Samstag - Sonntag 11 - 18 Uhr, Montag geschlossen info@edith-russ-haus.de
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