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Sturdy Black Shoes

09. Juli 2020 - 04. Oktober 2020

  

Das Edith-Russ-Haus für Medienkunst freut sich, Sturdy Black Shoes (Stabile Schwarze Schuhe) zu präsentieren, eine umfangreiche Ausstellung der künstlerischen Praktiken von Taus Makhacheva, Super Taus und der Superhero Sighting Society.

Der Ausstellungstitel Sturdy Black Shoes bezieht sich auf die Widerstandskraft von Super Taus, dem Alter Ego von Makhacheva als Superheldin – oder umgekehrt, wie manche sagen würden. Die Schuhe sind Teil von Super Taus’ Outfit als Bergdorfbewohnerin; sie verweisen auf die Beharrlichkeit und Entschiedenheit, mit der Super Taus die Hindernisse überwindet, denen sie in ihrem Leben in Dagestan in der russischen Kaukasus-Region begegnet. Auf diese Weise schreibt sie das Heroische in den Alltag ein.

Die russische Künstlerin Taus Makhacheva lebt in Moskau. Ihre Praxis reflektiert mit spielerischen und humorvollen Untertönen Rituale des Alltags, das überraschende Aufeinandertreffen von Kulturen und Traditionen und Beispiele für das Außergewöhnliche im Gewohnten. Makhacheva arbeitet mit verschiedenen Medien wie Installationen, Fotografien, Videos und Performances. Ihre Projekte sind weitgehend kooperativ angelegt. Sie versucht mit jeder Arbeit, Möglichkeiten zu entdecken und zu entwickeln, wie man Geschichten und Ideen durch eine Vielzahl von Stimmen und Kontexten weitergeben kann. Arbeiten in der Ausstellung wie Tightrope (Drahtseil[MS1] , 2015), On the Benefit of the Pyramids in Cultural Education, Strengthening of National Consciousness, and the Formation of Moral and Ethical Guideposts (Über den Nutzen von Pyramiden in der kulturellen Bildung, die Stärkung des nationalen Bewusstseins und die Bildung von moralischen und ethischen Leitplanken, 2015) und Gamsutl (2012) entstanden in enger Zusammenarbeit mit Rasul Abakarov, einem Seiltänzer in der fünften Generation, mit der Choreografin Anna Abalikhina, dem Tänzer Usup Omarov, der Artistik-Trainerin Elena Lvova sowie zahlreichen weiteren Beteiligten.

Die Ausstellung zeigt Super Tausʼ lebensbejahende Praxis in Videodokumentationen und der Mehr-Kanal-Videopräsentation Untitled 2 (Ohne Titel 2, 2016). Ausgangspunkt von Untitled 2 war die Wiederentdeckung der vergessenen Geschichte von Maria Korkmasova und Khamisat Abdulaeva, zwei Aufseherinnen eines Museums in Dagestan, die in den 1990er Jahren den Diebstahl eines Gemäldes von Alexander Rodtschenko verhinderten. Indem Super Taus die Geschichte dieser beiden Frauen in Erinnerung ruft und versucht, ihre heroische Tat in eine größere kunsthistorische Erzählung einzuschreiben, werden die unsichtbaren Kunstpflegerinnen zu museologischen Heldinnen. Seit 2016 transportiert Super Taus ihre Standbilder von einem entlegenen Ort zum nächsten, bis sie den bestmöglichen Platz für die beiden gefunden hat.

Eine Initiative, die im Mittelpunkt der Ausstellung steht, ist die Superhero Sighting Society (Gesellschaft für Superheldensichtungen, 2019). Die Gesellschaft wurde in Zusammenarbeit mit dem Kurator Sabih Ahmed konzipiert und geht der Frage nach: Wie kann man die Vorstellung von Superheld*innen und den Wunsch nach übermenschlichen Kräften, der hinter dieser Vorstellungen steht, für die heutigen Erfordernisse neu erfinden? Die Berichte über Superheld*innen, die von der Superhero Sighting Society zusammengestellt wurden, kommen in vielen Sprachen aus der ganzen Welt und zeigen radikal unterschiedliche Herangehensweisen an ihre Aufgabe. Indem die Society diese Geschichten zugänglich macht, zeigt sie die Notwendigkeit und Bedeutung von beiläufigen Handlungen im Alltag; sie macht das Übernatürliche im Gewohnten sichtbar und beschreibt manchmal einfach Formen des Mitgefühls. Wenn man die Geschichten der Superhelden*innen hört, die Jessica Saxby – die Urkundsbeamtin der Society – recherchiert und aufgeschrieben hat, kann man nicht nur in die verschiedenen Welten reisen, in denen die Held*innen leben; man bemerkt auch, wie aus Hilflosigkeit eine Sprache der Lebensbejahung entsteht.

Makhachevas scheinbar eindeutige Metaphern enthalten ein dichtes Geflecht kultureller und historischer Verweise, deren Vielschichtigkeit sich erst im Wahrnehmungsprozess ihres Gesamtwerks erschließt. Im gedämpften Flüstern nach Geschichten zu suchen und sich durch unklare Realitäten zu bewegen ist entscheidend für Taus Makhachevas Methodik, die diese Ausstellung prägt.

Der Ausstellungstitel ist dem Essay Taut Detective: On the Art of Taus Makhacheva (2020) von Uzma Z. Rizvi entnommen.

Superhero Sighting Society wurde produziert von der KADIST Foundation, Paris. Mit freundlicher Unterstützung von narrative projects, London.


 

Edith-Russ-Haus für Medienkunst, Katharinenstraße 23, D-26121 Oldenburg, Tel.: +49(0)441/235-3208, Fax.: +49(0)441/235-2161
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