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Ausstellung: Sentient Picnic von Mochu bis 12. Juni 2022

Mochus Einzelausstellung Sentient Picnic präsentiert ein breites Spektrum der Arbeiten des Künstlers. Seine Projekte erforschen verrückte Geologien, mediale Nischenphänomene, künstlerische Kollektive und psychedelische Pfade. Im Zentrum der Ausstellung steht die Videoinstallation GROTESKKBASILISKK! MINERAL MIXTAPE (2022), die als Auftragsarbeit des Edith-Russ-Hauses entstand und auf vier Leinwänden präsentiert wird.

GROTESKKBASILISKK! MINERAL MIXTAPE gibt Einblicke in Online-Subkulturen, die sich der rapiden technologischen Beschleunigung verdanken, aber auch eine starke kulturelle Nostalgie nach dem Imperialen beherbergen. Diese beiden Stützpfeiler der Arbeit, so wenig sie zueinander zu passen scheinen, führen zu einer besonderen Form von antiegalitärem Futurismus, der starke Anleihen bei den Genretaktiken von Science-Fiction und Horror nimmt, genauso sehr aber auch bei den Management-Strategien führender Technologie-Konzernen.

Das erste Charakteristikum dieser Subkulturen ist eine Angst vor dem imaginierten Niedergang des Westens und seiner Verstrickung in den Aufstieg von Künstlicher Intelligenz, der diese Subkulturen mit einer ausgeprägt techno-orientalistischen Fantasie begegnen. Ihre Nähe zu spekulativen literarischen Genres hängt mit den futuristischen urbanen Projektionen von Ostasien, dem postsowjetischen Zentralasien und dem Persischen Golf zusammen. Die dort aufblühenden Megacities lassen sich als glanzvolle Neufassungen des klassischen orientalistischen Imaginären einer „Reise in den Osten“ begreifen und kündigten bis vor ungefähr einem halben Jahrhundert eine spirituelle Transformation des westlichen Subjekts an. Der Aufstieg von Internet-Memes als ästhetisches System versinnbildlicht diese Verschiebung. Das Handelskapital erschafft ein paranoides Universum und fügt unablässig disparate extraktionistische Taktiken zu einem einzigen planetarischen Gelee zusammen. Durch eine pataphysische Wiederbelebung der Collage-Ästhetik sind Internet-Memes parasitäre Einheiten, die die ungebrochene Superleitfähigkeit des reibungslosen Kapitalismus aufbrechen, während sie sich von der Beschleunigung ernähren, die ihren Ausgangsmaterialien innewohnt. Auch auf einer strukturellen Ebene wiederholt diese Form von Parasitismus die heutigen finanziell-logistischen Zyklen, unter denen die industrielle Produktion überwiegend in den Globalen Süden ausgelagert wurde. Anders allerdings als die abgenutzten politischen Versprechungen des pixelierenden dokumentarischen Bildes der Vergangenheit bieten die flamboyanten Degradierungen in der memetischen Materie keinen definitiven politischen Kommentar, denn sie hängen immer von der geglätteten Dichtheit und dem scheußlichen Selbstbewusstsein ihres Hosts ab. Die durchdringende Politik des Lächerlichmachens im Internet, mit ihrer Art von hieroglyphischem Denken, macht so auch die Politik selbst lächerlich, im Einklang mit einer Logik der Verunstaltung, in der Heiligkeit selbst auf paradoxe Weise durch Sakrileg und Schändung bewahrt wird. Durch eine Verfremdung von 3D-Immobilien-Renderings, Bollywood-Sounds, Martial-Arts-Games und mythologischen Comics blickt GROTESKKBASILISKK! MINERAL MIXTAPE auf verschiedene historische Beispiele der seltsamen Komplizenschaft zwischen dem techno-futuristischen Begehren, die Politik zu eliminieren, und ihrer doppelzüngigen Toleranz von – vielleicht sogar ihrer Obsession für – witzigen, niedrig aufgelösten Welten. Im Verlauf dieser Geschichte tauchen verlorene Gesichter, verunstaltete Statuen, Anime-Chatrooms, dämonische Katzen und pestilentielle Affektobjekte auf. GROTESKKBASILISKK! MINERAL MIXTAPE wird vom Edith-Russ-Haus im Zusammenarbeit mit Sternberg Press 2023 zu einer Publikation erweitert werden.

Die Ausstellung enthält auch erstmals eine Neufassung von Mochus Video-Lecture Toy Volcano in Form einer Multikanalinstallation. Sie spielt in dem Universum eines vergessenen Mangas und präsentiert dort eine Fan-Fiction mit verrückten Geologien, tragbaren Löchern und maschinistischen Halluzinationen. Die Erzählung folgt einem Angestellten einer Tourismus-Abteilung, der sich als Gastgeber für irreführende Theorien präsentiert, in denen Außenseiterkunst, verdächtige Materialien und die physische Beschaffenheit von Cartoons thematisiert werden.

Mochus Video Cool Memories of Remote Gods (2017) ist ebenfalls Teil der Ausstellung. Es spielt auf den Spuren von Hippie-Routen in Indien. Ausgangspunkt sind gegenkulturelle Gruppen aus den 60er Jahren und ihr Aufgreifen spiritueller Ideen, ein Phänomen, das zeitgleich mit der Entwicklung des Personal Computers und der Kybernetik einherging. Heute spielen diese Routen kaum noch eine Rolle, aber sie zeigen immer noch Züge des Technofiktionalen – überlagert von alten spirituellen Regimes. Zu einer Zeit, in der Computer den Anspruch erhoben, dass Maschinenaktivität den Verstand ersetzen könnte, dachte die Gegenkultur darüber nach, ob sich religiöse oder mystische Erfahrungen auch mit technischen Hilfsmitteln, mit „inneren Technologien“, nachvollziehen ließen. Dieses erhoffte „Reich des Gleichgewichts“ wurde allerdings sukzessive auf psychedelische Poster, billige Kopien surrealistischer Gemälde und New Age-Fusion-Musik reduziert. Die Hippie-Routen und ihre Symbolik zeigen sich als Körper im Zerfall, der aber das Potential einer vampirischen Wiederbelebung in sich trägt. Die Politik einer solchen Animation und ihrer Auferstehungs-Spezialeffekte sind die zentrale Ebene des Videos, und sie bereiten auch den Weg zu neuen Konzepten von Empfindung, Intelligenz und Denken in Beziehung zu den technologischen Imaginären, die in der ganzen Ausstellung erkundet werden.

Der Titel Sentient Picnic verweist einerseits auf die absurde Einöde in dem 1972 erschienen, einflussreichen Science-Fiction-Roman Picknick am Wegesrand von Arkadi und Boris Strugazki, ruft aber auch ein breiteres Spektrum von Aspekten auf, in denen das Gewicht und die Endlichkeit von Materialien, Artefakten und Effekten untrennbar mit abstraktem Denken verbunden sind.

Mochu erhielt 2020 das Stipendium für Medienkunst der Stiftung Niedersachsen am Edith-Russ-Haus. Er arbeitet mit Installationen, Lectures und Publikationen. Technoszientistische Fiktionen sind zentraler Bestandteil seiner Praktik. Darüber hinaus gehen Beispiele und Figuren aus der Kunstgeschichte und der Philosophie in diese Fiktionen ein. Mochu lebt in Delhi und Istanbul.

Luna Talk Oldenburg

Ort: Seminarraum des Edith-Russ-Hauses

Datum: Ein Vollmond im Spätsommer 2022

Die für den 19. November 2021 geplante Veranstaltung musste leider verschoben werden. Sie wird jetzt an einem Vollmond im Spätsommer 2022 stattfinden.

Wir werden uns an einem Tag des Vollmondes zum Luna Talk treffen, um über Themen zu sprechen, die die 1765 gegründete Lunar Society diskutiert hat, aber auch um neue Ideen in verwandten Bereichen zu erkunden, die in unserer Zeit eine Herausforderung darstellen.

Das Oldenburger Lunagespräch wird sich mit den Entwicklungen und den Folgen der aktuellen Energiewende beschäftigen.

Mehr...

eBook - The Doubt of the Stage Prompter

Die Publikation “The Doubt of the Stage Prompter” von Sven Johne und Jumana Manna ist ab jetzt als E-Book kostenlos verfügbar.

Das Buch, welches ein Essay und mehrere Konversationen enthält, entstand im Kontext der gleichnamigen Doppelausstellung im Jahr 2015.

Hier herunterladen:

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Öffnungszeiten und Führungen

Das Edith-Russ-Haus öffnet während der Ausstellungen von Dienstag bis Freitag 14 bis 18 Uhr sowie am Samstag und Sonntag sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und an den folgenden Feiertagen geschlossen: 1. Januar; 1. Mai;  31. Oktober, 24., 25. & 31. Dezember. Jeweils am 4. Samstag im Monat ist der Eintritt frei.

Für einen Besuch im Edith-Russ-Haus wird kein Nachweis über eine Impfung, eine Genesung oder einen Test benötigt. 

Für die Besucher gilt jedoch weiterhin das Abstandsgebot und die Pflicht zum Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes (FFP2-Maske oder OP-Maske). Für Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 14 Jahren reicht eine Stoffmaske. Kinder unter 6 Jahren sind von der Pflicht zum Tragen einer Maske befreit.

Weitere Informationen im Bezug auf die aktuelle Corona-Lage finden sie hier.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Edith-Russ-Haus für Medienkunst, Katharinenstraße 23, D-26121 Oldenburg, Tel.: +49(0)441/235-3208, Fax.: +49(0)441/235-2161
Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 14 - 18 Uhr, Samstag - Sonntag 11 - 18 Uhr, Montag geschlossen info@edith-russ-haus.de
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