Edith Maria Ruß

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...damit viele Menschen sich an Kunst erfreuen können.

Edith Ruß

Mit einem großen Erbe, das sie der Stadt Oldenburg 1993 vermachte, hat Edith Ruß posthum die kulturelle Szene der Region entscheidend beeinflußt. Nach ihren testamentarischen Vorgaben entstand ein Haus für »Die Kunst im Übergang ins neue Jahrtausend«. Ein schlichter quadratischer Klinkerbau - gelegen in der »kulturellen Mitte« Oldenburgs neben dem städtischen Kulturzentrum im ehemaligen Peter Friedrich Ludwigs Hospital - bietet jetzt Fläche für Kunstausstellungen. Diesem Komplex angegliedert ist ein Gäste- bzw. Atelierhaus. Das neue Kunsthaus Oldenburgs gibt der Medienkunst Raum. Es trägt den Namen seiner Stifterin über die Grenzen Oldenburgs hinaus und verweist auf entschiedenes Engagement für die Kunst.

Edith Maria Ruß wurde am 22. Januar 1919 in Hildesheim geboren. Sie gehörte zu einer dort angesehenen Familie, deren Metzgereibetrieb schon vor der Jahrhundertwende gegründet wurde. Im Herbst 1929 ziehen Edith und ihre Eltern nach Oldenburg - ihre Mutter ist bereits seit 1922 ein zweites Mal verheiratet. Schnell fühlt sich Edith Ruß ihrer neuen Heimat Oldenburg verbunden, doch wird die Stadt Hildesheim zeitlebens der Ort ihrer Erinnerungen an eine glückliche und in einer großen Familie behüteten Kindheit bleiben.

Im April 1939 beginnt Edith Ruß ihre journalistische Laufbahn mit einem Volontariat bei den »Oldenburger Nachrichten« und übernimmt dort die Schriftleitung in der kulturpolitischen Abteilung: »Ihre Neigung zu schöngeistiger Beschäftigung ließ sie sich besonders dem Feuilleton der Kulturpolitik und den Frauenfragen widmen«. 1941 geht Edith Ruß zu der Frauen-Illustrierten »Hella« nach Berlin, ihre selbstbestimmte und sehr befriedigende Arbeit dort wird durch die kriegsbedingte Einstellung der Illustrierten 1943 beendet. Schließlich kehrt sie als Feuilleton-Leiterin nach Oldenburg zurück an die »Oldenburgische Staatszeitung«. Klug und entschieden kann sie hier ihre Eigenheit bewahren, »obwohl sie als Nichtmitglied der NSDAP in einer NS-Redaktion saß«. Die Journalisten-Zeit bezeichnet Edith Ruß als gute Erfahrung, die ihr »Leben so unendlich bereichert, es aus dem Laufe des Gewöhnlichen herausgehoben« hat. Dennoch gibt sie 1945 eine mögliche Karriere im Zeitungswesen auf und beginnt ein Lehramtstudium an der Pädagogischen Akademie in Oldenburg. Noch mit 53 Jahren schließt sie später erfolgreich ein Zusatzstudium zur Sonderschullehrerin ab und unterrichtet bis zu ihrer Pensionierung 1978 geistig behinderte Kinder.

1940 lernt Edith Ruß den um zwanzig Jahre älteren, populären und erfolgreichen Schriftsteller Manfred Hausmann kennen. In einer wechselvollen und spannungsreichen Beziehung ist sie ihm bis zu seinem Tod 1986 vertraute Freundin, Geliebte und kompromißlose Kritikerin seiner Arbeiten. Trotz ihrer Leidenschaft für Literatur, Theater und Musik entscheidet sie sich, ihr gesamtes Vermögen den Bildenden Künsten zu widmen.

Gemeinsam mit befreundeten Museumsdirektoren und Galeristen besucht Edith Ruß ab Anfang der 80er Jahre Ausstellungen und Künstlerateliers. Sie läßt sich beraten und erwirbt im Laufe der Zeit vorwiegend Kleinplastiken, die sie der ständigen Ausstellung der »Kunst des 20. Jahrhunderts« im Oldenburger Augusteum leihweise zur Verfügung stellt. Sie kauft die »Bildnisbüste Heinrich Vogelers« von Clara Rilke-Westhoff, den »Porträtkopf Oskar Kokoschkas« von Gustav Seitz, die »Büste eines Schauermanns« von Constantin Meunier, die »Büste einer jungen Frau: Grace« von Wilhelm Lembruck und Jossi Blumenbergs »Sinnenden«, und sie gibt damit wesentliche Impulse für die im Augusteum geplante Erweiterung der Skulpturenpräsentation. Bei aller Kenntnis der Kunstgeschichte bleibt ihr Zugang zu den Werken ein persönlicher: Mit der »Bildnisbüste Heinrich Vogelers« von der Worpsweder Künstlerin Clara Rilke-Westhoff beispielsweise materialisiert sich die Erinnerung an einen aufregenden Besuch bei Martha Vogeler im Schluh 1940, bei dem sie die Mitglieder der Künstlerkolonie Worpswede kennenlernte; auch Manfred Hausmann lebte zu dieser Zeit in Worpswede.

1990 erkrankt Edith Ruß an Krebs. Sie beginnt ihren Nachlaß zu regeln, und aus den Leihgaben an das Augusteum werden Schenkungen: »Ich gebe, was ich habe, gern dem Museum, damit viele Menschen sich an Kunst erfreuen können«. Die »Große Danae« von Gustav Seitz ist die letzte von Edith Ruß erworbene Plastik, sie ist ihr Erbe an die Öffentlichkeit und gleichzeitig letzte Widmung an Manfred Hausmann - in einem feierlichen Festakt wird die »Danae« dem Augusteum im Januar 1992 übergeben.

Am 18. Juli 1993 stirbt Edith Ruß. Sie vermacht ihr gesamtes Barvermögen von fast 2 Millionen Mark der Stadt Oldenburg, nicht ohne über eine letzte testamentarische Verfügung die Verwendung des Geldes für die Kunst zu beeinflussen.

Edith-Russ-Haus für Medienkunst, Katharinenstraße 23, D-26121 Oldenburg, Tel.: +49(0)441/235-3208, Fax.: +49(0)441/235-2161
Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 14 - 18 Uhr, Samstag - Sonntag 11 - 18 Uhr, Montag geschlossen info@edith-russ-haus.de
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