Stipendien 2017

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Stipendien der Stiftung Niedersachsen für Medienkunst am Edith-Russ-Haus 2017 (Kopie 1)

Ermöglicht durch die Stiftung Niedersachsen hat das Edith-Russ-Haus für Medienkunst für das Jahr 2017 drei sechsmonatige und mit 10.000 Euro dotierte Arbeitsstipendien vergeben.

Die Stiftung Niedersachsen fördert das Stipendienprogramm des Edith-Russ-Hauses kontinuierlich seit 2001. Das Programm ist zu einem Aushängeschild des Edith-Russ-Hauses geworden. Viele der in Oldenburg entstandenen Arbeiten wurden nach ihrer Realisierung in internationalen Ausstellungen präsentiert und mit Preisen ausgezeichnet.

Mit ihrer Förderung will die Stiftung Niedersachsen eines der führenden Häuser für Medienkunst in Deutschland nachhaltig stärken, seine an Qualität orientierte Profilierung unterstützen, um so die Schaffung von Kunst zu ermöglichen und internationale Vernetzungen und lokale Anknüpfungspunkte zu schaffen.

Die Stipendien für Medienkunst der Stiftung Niedersachsen am Edith-Russ-Haus für Medienkunst 2017- jeweils dotiert mit 10.000 Euro - gehen an:

 

Noor Afshan Mirza und Brad Butler: The Scar

Stefan Panhans: Because I Said So – That’s Why!

Shirin Sabahi: Memory Pool

 

Jury:

 

Bassam El Baroni

Stefanie Schulte Strathaus

Edit Molnár

Marcel Schwierin

 

Jurybegründungen:

 

Noor Afshan Mirza und Brad Butler: The Scar

Die neue Drei-Kanal-Videoinstallation von Noor Afshan Mirza und Brad Butler wird den Abschluss eines langfristig angelegten Recherche-Projekts bilden. Die Arbeit beschäftigt sich mit einem gravierenden Skandal in der politischen Geschichte der Türkei. Ein Autounfall nahe der Stadt Susurluk veränderte 1996 den politischen Diskurs des Landes. Die vier Insassen des Wagens waren der damalige stellvertretende Polizeichef von Istanbul, eine führende Figur der terroristischen Organisation Graue Wölfe, eine ehemalige Schönheitskönigin und – als einziger Überlebender – ein hochrangiges Parlamentsmitglied. In dem Autowrack fand die Polizei Waffen, vom Innenminister unterzeichnete gefälschte Pässe sowie Geld und Drogen. Die Arbeit ist in drei verschiedenen Genres (experimenteller Realismus, feministischer Film Noir und feministischer Polit-Sciencefiction) angelegt und beruht auf drei verschiedenen Drehbüchern; alle enden mit dem Unfall und imaginieren drei mögliche Szenarien der letzten fünfzehn Minuten im Leben der Reisenden. Das Projekt der beiden Künstler will eine Möglichkeit bieten, ein stärkeres Bewusstsein für den „Staat im Staate“ zu entwickeln; dazu entfaltet es ein politisches Vorstellungsvermögen, in dem die dramatische Situation zu einer absurden Untersuchung über die Psychologie des Faschismus und das staatlich organisierte Verschwinden von Personen, aber auch über Netzwerke des Widerstands und das Potenzial der Gender-Revolution wird. Mit ihrer Entscheidung will die Jury die von den Künstlern aufgezeigte Möglichkeit fördern.

 

Stefan Panhans: Because I Said So – That’s Why!

Die neue Videoarbeit von Stefan Panhans wirft ein Licht auf strukturelle Widersprüche der Gesellschaft, die unter anderem in Formen von Rassismus, Exklusion, Celebrity-Kult und VIP-orientierter Kultur sichtbar werden. Panhans spielt auf die Struktur von Videospielen an und nutzt den Kontext eines überfüllten Mehrbettzimmers in einem Hostel, um eine Situation herzustellen, in der vier verschiedene Klischeefiguren interagieren und in Austausch treten: ein schwarzer Schauspieler aus Kreuzberg und Kamerun, ein Kunsthistoriker und unterbezahlter Freelance-Kurator aus Köln und Paris, eine weiße Schauspielerin aus Neukölln und München sowie eine ehemalige Teilnehmerin von Germany’s Next Top Model aus Offenbach und München mit koreanischen Eltern. Diese Charaktere werden von drei Schauspielern und einem digitalen Avatar verkörpert. Das Projekt ist ein neuer Beitrag zu einem bereits existierenden Werk, das von der Jury gewürdigt wird, weil es danach strebt, die populäre digitale Kultur, die Eigenheiten der Interaktion in den sozialen Medien und die Ästhetik von Computerspielen mit Strukturen des Alltags zu verknüpfen. Das Projekt erfüllt digitale und soziale Sprachen mit Affekten und gewinnt daraus eine subversive Vorstellungskraft.

 

Shirin Sabahi: Memory Pool

Shirin Sabahis Projekt entwickelt eine Methode der künstlerischen Forschung, die verschiedene Zugänge zum Forschungsgegenstand eröffnet. Untersucht wird ein historisches Kunstwerk aus dem Jahr 1977, ein mit Öl gefülltes Becken von Noriyuki Haraguchi, das im Teheraner Museum für zeitgenössische Kunst permanent installiert ist und erstmals auf der documenta 6 ausgestellt wurde. Im Lauf der Zeit wurde dieses Ölbecken zum rituellen Objekt: ein Wunschbrunnen wider Willen, der von den Museumsbesuchern immer wieder liebevoll vandalisiert wurde. So erinnert sich Sabahi, dass „in meiner Kindheit in Teheran jeder Museumsbesuch damit endete, dass etwas in das Becken geworfen wurde, um seine makellose, spiegelnde Oberfläche zu durchbrechen.“ Das Projekt zielt darauf ab, die Geschichte dieses Kunstwerks zu skizzieren und es wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken. Dadurch zeigt es die Möglichkeiten von künstlerischer Forschung  auf, sich mit dem Werk eines anderen Künstlers, mit der Institutionsgeschichte einer Nation, den sinnlichen Aspekten des Erinnerns und den historischen Internationalismen auseinanderzusetzen, die vor den derzeitigen Bedingungen der Globalisierung existierten. Die Künstlerin plant, die Umstände der Restaurierung des Beckens zu filmen, die wiederum erst durch ihre Arbeit ermöglicht wird. Am Ende soll eine Multimedia-Installation entstehen, die zwei Filme und aus dem Becken geborgene Gegenstände sowie weitere Elemente umfassen wird.

Übersicht über bisher vergebene Stipendien

Die bisherigen Stipendiaten waren:

2017 Noor Afshan Mirza/Brad Butler (GB), Stefan Panhans (D), Shirin Sabahi (IRN) mehr...
2016 Doireann O'Malley (IE), Zorka Wollny (PL), Amir Yatziv (IL) mehr...
2015 Mahmoud Khaled (EGY), Szabolcs KissPál (HUN), Anette Rose (GER) mehr...
2014 Derek Holzer (US), Ivar Veermäe (EE), Emma Wolukau-Wanambwa (GB) mehr...
2013 Marcello Mercado (ARG), Patricia Reis (P), Hannes Waldschütz (D) mehr...
2012 Kerstin Ergenzinger (D), Antoine Schmitt (F), Christoph Wachter/Mathias Jud (CH/D) mehr...
2011 Darsha Hewitt (CDN), Ute Hörner/Mathias Antlfinger (D), Yunchul Kim (KOR/D) mehr...
2010 HeHe (Helen Evans / Heiko Hansen), (F / D), Ralf Baecker (D), Anahita Razmi (D) mehr...
2009 Jana Linke (D), REINIGUNGSGESELLSCHAFT (D), The SINE WAVE ORCHESTRA (J) mehr...
2008 Petko Dourmana (BG), Kristin Lucas (USA), Cornelia Sollfrank (D) mehr...
2007 Jens Brand (D), Ellen Fellmann (D), Eddo Stern (USA/IL) mehr...
2006 Annina Rüst (CH), Corinna Schnitt (D), ubermorgen.com (CH/A) mehr...
2005 Amie Siegel (USA)
2004 Minerva Cuevas (MEX), Calin Dan (RO/NL), Martine Neddam (F/NL)
2003 Dave Allen (GB/D), Bernadette Corporation (USA/D), Naomi Ben-Shahar (ISR/USA)
2002 Johan Grimonprez (B), Dagmar Keller/Martin Wittwer (D/CH), Florian Zeyfang (D)
2001 Susanne Weirich (D) mehr...

 

Edith-Russ-Haus Nachwuchsförderpreise für Medienkunst der Sparda-Bank

2015 Chris Alton (UK), Marta Popivoda (SRB) mehr...
2014 Adam Basanta (CA), Julian Stein (US) mehr...
2013 Hyun Ju Song und Mi Lyoung Bae (KR), Kuai Shen Auson Ortega (EC) mehr...


Die bisherigen Stipendiaten im Austauschstipendium mit dem Digital Art Center Taipei, Taiwan, waren:

2011 Tai-Wei Kan mehr...
2010 Yun-Ju Chen, Kerstin Ergenziger mehr...

Edith-Russ-Haus für Medienkunst, Katharinenstraße 23, D-26121 Oldenburg, Tel.: +49(0)441/235-3208, Fax.: +49(0)441/235-2161
Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 14 - 18 Uhr, Samstag - Sonntag 11 - 18 Uhr, Montag geschlossen info@edith-russ-haus.de
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