Stipendien 2012

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Stipendien der Stiftung Niedersachsen für Medienkunst 2012 am Edith-Ruß-Haus für Medienkunst

Die Preisträger sind:


Kerstin Ergenzinger, Deutschland

Antoine Schmitt, Frankreich

Christoph Wachter / Mathias Jud, Schweiz/Deutschland



Ermöglicht durch die Stiftung Niedersachsen hat das Edith-Russ-Haus für Medienkunst für das Jahr 2012 drei sechsmonatige und mit 10.000 Euro dotierte Arbeitsstipendien vergeben. Auf die internationale Ausschreibung erfolgte erneut eine hohe Anzahl von Bewerbungen (379).


Die Stiftung Niedersachsen fördert das Stipendienprogramm des Edith-Russ-Hauses kontinuierlich seit 2001. Das Programm ist zu einem Aushängeschild des Edith-Russ-Hauses geworden. Viele der in Oldenburg entstandenen Arbeiten wurden nach ihrer Realisierung in internationalen Ausstellungen präsentiert und mit Preisen ausgezeichnet.


Mit ihrer Förderung will die Stiftung Niedersachsen eines der führenden Häuser für Medienkunst in Deutschland nachhaltig stärken, seine an Qualität orientierte Profilierung unterstützen, um so die Schaffung von Kunst zu ermöglichen und internationale Vernetzungen und lokale Anknüpfungspunkte zu schaffen.

 

 

Die Jury 2012:

Agnieszka Kubicka- Dzieduszycka, Kuratorin am WRO Art Center (Breslau)

Domenico Quaranta, Kunst Kritiker und Kurator (Italien)


Dr. Axel Roch, Lektor an der Rijksuniversiteit Groningen (Groningen)

Rebecca Shatwell, Leiterin des AV Festival Newcastle und Gründerin der alt.gallery (Newcastle)

Ingmar Lähnemann, wissenschaftlicher Mitarbeiter, EDITH-RUSS-HAUS für Medienkunst (Oldenburg)

 

Jury 2012, (v.l.n.r.): Axel Roch, Agnieszka Kubicka-Dzieduszycka, Rebecca Shatwell, Ingmar Lähnemann, Domenico Quaranta

 

Die Stellungnahme der Jury zu den Preisträgern:

Kerstin Ergenzinger: “Navigating Noise”


"Navigating Noise" ist eine poetische Investigation räumlicher Orientierung mittels Klang und Rauschen. Die Künstlerin verändert dabei unsere räumliche Vorstellungen und Erfahrungen, die durch den Alltag und durch Geräusche unserer eigenen Schritte geprägt sind, und überführt diese in neue, spürbare, horizontale Felder. Die Klanggeräusche der Installation von Ergenzinger werden durch ein physisches, vibrierendes Netz generiert, welches zugleich an eine vernetzte Karte oder ein mentales Diagramm erinnern lässt. Die kinetischen und elektrothermischen Eigenschaften dieses physischen Netzes im Raum übersetzen sich dabei in Klanglandschaften, die relativ zur Anwesenheit des Hörers als akustische Felder wahrnehmbar sind.


Charakteristisch für die Arbeit Ergenzingers ist die sensible Verwendung kinetischer Materialien. Nitinol – eine Nickel-Titan Legierung – und seine elektrothermischen Eigenschaften erlauben der Künstlerin räumliche Präsenz und Spannung so zu regeln, dass reaktive Klanglandschaften entstehen. Die Installation realisiert dabei ein „schwingendes Gewebe“ mit spiralartigen Verbindungselementen, die hörbaren Frequenzen variieren dabei gemäß Spannung und lokaler Temperatur des Netzes insgesamt.


Ergenzingers Arbeit nimmt Bezug auf künstlerische Ausdrucksmittel, wie sie bereits von John Cage verwendet wurden. Cage machte Hintergrundgeräusche hörbar, indem er Stille als pure, zeitliche Leere in seinen Kompositionen einführte. „Navigating Noise“ wird im Vergleich dazu ein horizontales Rauschen und dessen räumliche Strukturen durch die Einführung einer gerichteten Leere dynamisieren. Cage richtete unsere Aufmerksamkeit auf zufällige Hintergrundgeräusche; Ergenzinger verändert konstantes Hintergrundrauschen, um den dynamischen Raum zwischen Distanz und Nähe erfahrbar zu machen, eine instabile Raumerfahrung.

 

Antoine Schmitt: „7 Billion Pixels“


"7 Billion Pixels" ist ein Versuch, eine konzeptuelle, technologische sowie ästhetische Frage gleichzeitig zu lösen: Wie visualisiert man innerhalb eines einzigen Bildes die gesamte Weltpopulation, ohne sich dabei einer symbolischen Metapher zu bedienen?
Das Projekt realisiert dieses Problem in Form einer Projektion. Sieben Milliarden einzelne Pixel werden mit einer Million Pixel pro Sekunde den Bildschirm durchqueren, jedes auf seinem eigenen Weg. Die resultierende Filmsequenz hat eine Dauer von einer Stunde, 56 Minuten und 40 Sekunden. Dieser „Film“ konfrontiert den Betrachter geradezu physisch mit dem Fluss der Pixel.

Wie Schmitt selbst schreibt, „reflektiert das Werk die überwältigende Herausforderung Sinn zu schöpfen aus einer riesigen Masse interdependenter und dennoch von persönlichen Intentionen, Sehnsüchten und Bestreben getriebener Individuen. Ebenso hinterfragt die Arbeit den unmöglichen und dennoch täglich geträumten Traum, solche Massen kontrollieren zu wollen. […] Gleichzeitig erfährt der Betrachter seinen eigenen freien Willen und die eigene Lebensgeschichte als etwas sich in der Masse all jener anderen Willen und Lebensgeschichten aufgelöstes.“

Das Projekt "7 Billion Pixels" fordert das Medium Video auf vielerlei Arten heraus. Um eine solch massive Anzahl von Pixeln hochauflösend darzustellen, reicht Video als Format nicht aus: Die einzige Lösung ist eine Software zu entwickeln, welche die Bilder in Echtzeit generiert. Schmitt gelangt somit an die Grenzen des Komprimierbaren digitaler Datenströme. Die resultierenden Daten bzw. Bilder selbst sind nicht komprimierbar. Sie können nicht effizient kodiert werden und wiedersetzen sich somit auch jedweder Übertragung. Die Arbeit ist abstrakt und dennoch narrativ; sie ist pixel-basiert und gleichzeitig hochauflösend. Das Werk lotet die Grenzen des eigenen Mediums aus, ebenso die Fähigkeit unserer Seh- und Vorstellungskraft. Schmitts Arbeit existiert als Konzept, wir können es uns aber nur vorstellen, wenn wir es auch tatsächlich an den Grenzen technischer und menschlicher Wahrnehmbarkeit auch erleben.

 

Christoph Wachter / Mathias Jud: „Blacklist”


Die Installation "Blacklist"  macht unsichtbare Bilder des Internets sichtbar, sowie deren Regulierungs- und Rechtsordnungen im Sinne ethischer, moralischer bzw. „politischer Correctness”.
In die verborgenen Territorien des Netzes vordringend, bringt "Blacklist" mit einer speziellen Software verbotene, von Suchmaschinen blockierte Bilder zum Vorschein und indem sie diese maschinell-mechanisch mit einem Bleistift nachzeichnet, macht sie die Bilder für einen öffentlich tolerierten Diskurs wieder tauglich.


Christoph Wachters und Mathias Juds Projekt "Blacklist" legt die sich wandelnden sozio-politischen Beschränkungen des Netzes in Bezug auf Bilder offen, indem es diese an die rechtlichen Ordnungen des jeweiligen geographischen Standpunkts der Zeichenmaschine zurückbindet. Somit fungiert die Maschine als eine Art Messinstrument, welches die gegenwärtige Kondition des Netzes mit Blick auf die Frage der Bilder- und Darstellungsfreiheit erfasst.
Die Zeichenmaschine produziert beständig schwarz-weiße Phantombilder verbotener Bilder – man könnte diese Bilder „Outlines” nennen, die weder „Online” noch „Offline” sind. Gleichzeitig wird dadurch das zeitgenössiche und web-basierte Potenzial eines „Kunstwerks in Zeiten seiner seiner technischen Reproduzierbarkeit” vorgeführt, als Aura verbotener Bilder.


Da Bilder Text und Sprache zunehmend als Bestandteil kommunikativer Prozesse ersetzen und überlagern, ist es um so wichtiger Orte der kritischen Analyse von bildregulierenden Machtstrukturen zu ermöglichen. Der Übersetzungsprozess, den Blacklist bei der Übertragung von verbotenen Bildern zu Kunstwerken leistet, erscheint nicht nur als Fähigkeit verborgene Bereiche des Internets zu detektieren und zu „scannen”, sondern auch als Übertragung in eine ästhetische Ebene, die dem Betrachter kritisch und provokativ funktionierende Macht- und Kontrollstrukturen offenbart.

Übersicht über bisher vergebene Stipendien

Die bisherigen Stipendiaten waren:

2017 Noor Afshan Mirza/Brad Butler (GB), Stefan Panhans (D), Shirin Sabahi (IRN) mehr...
2016 Doireann O'Malley (IE), Zorka Wollny (PL), Amir Yatziv (IL) mehr...
2015 Mahmoud Khaled (EGY), Szabolcs KissPál (HUN), Anette Rose (GER) mehr...
2014 Derek Holzer (US), Ivar Veermäe (EE), Emma Wolukau-Wanambwa (GB) mehr...
2013 Marcello Mercado (ARG), Patricia Reis (P), Hannes Waldschütz (D) mehr...
2012 Kerstin Ergenzinger (D), Antoine Schmitt (F), Christoph Wachter/Mathias Jud (CH/D) mehr...
2011 Darsha Hewitt (CDN), Ute Hörner/Mathias Antlfinger (D), Yunchul Kim (KOR/D) mehr...
2010 HeHe (Helen Evans / Heiko Hansen), (F / D), Ralf Baecker (D), Anahita Razmi (D) mehr...
2009 Jana Linke (D), REINIGUNGSGESELLSCHAFT (D), The SINE WAVE ORCHESTRA (J) mehr...
2008 Petko Dourmana (BG), Kristin Lucas (USA), Cornelia Sollfrank (D) mehr...
2007 Jens Brand (D), Ellen Fellmann (D), Eddo Stern (USA/IL) mehr...
2006 Annina Rüst (CH), Corinna Schnitt (D), ubermorgen.com (CH/A) mehr...
2005 Amie Siegel (USA)
2004 Minerva Cuevas (MEX), Calin Dan (RO/NL), Martine Neddam (F/NL)
2003 Dave Allen (GB/D), Bernadette Corporation (USA/D), Naomi Ben-Shahar (ISR/USA)
2002 Johan Grimonprez (B), Dagmar Keller/Martin Wittwer (D/CH), Florian Zeyfang (D)
2001 Susanne Weirich (D) mehr...

 

Edith-Russ-Haus Nachwuchsförderpreise für Medienkunst der Sparda-Bank

2015 Chris Alton (UK), Marta Popivoda (SRB) mehr...
2014 Adam Basanta (CA), Julian Stein (US) mehr...
2013 Hyun Ju Song und Mi Lyoung Bae (KR), Kuai Shen Auson Ortega (EC) mehr...


Die bisherigen Stipendiaten im Austauschstipendium mit dem Digital Art Center Taipei, Taiwan, waren:

2011 Tai-Wei Kan mehr...
2010 Yun-Ju Chen, Kerstin Ergenziger mehr...

Edith-Russ-Haus für Medienkunst, Katharinenstraße 23, D-26121 Oldenburg, Tel.: +49(0)441/235-3208, Fax.: +49(0)441/235-2161
Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 14 - 18 Uhr, Samstag - Sonntag 11 - 18 Uhr, Montag geschlossen info@edith-russ-haus.de
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