Stipendien 2011

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Stipendien der Stiftung Niedersachsen für Medienkunst 2011 am Edith-Ruß-Haus für Medienkunst


Die Preisträger sind:

Darsha Hewitt, Kanada


Ute Hörner/Mathias Antlfinger, Deutschland


Yunchul Kim, Korea/Deutschland

 

Ermöglicht durch die Stiftung Niedersachsen hat das Edith-Ruß-Haus für Medienkunst für das Jahr 2011 drei sechsmonatige und mit 10.000 Euro dotierte Arbeitsstipendien vergeben. Auf die internationale Ausschreibung erfolgte erneut eine hohe Anzahl von Bewerbungen (304).

Die Stiftung Niedersachsen fördert das Stipendienprogramm des Edith-Ruß-Hauses kontinuierlich seit 2001. Das Programm ist zu einem Aushängeschild des Edith-Ruß-Hauses geworden. Viele der in Oldenburg entstandenen Arbeiten wurden nach ihrer Realisierung in internationalen Ausstellungen präsentiert und mit Preisen ausgezeichnet.

Mit ihrer Förderung will die Stiftung Niedersachsen eines der führenden Häuser für Medienkunst in Deutschland nachhaltig stärken, seine an Qualität orientierte Profilierung unterstützen, um so die Schaffung von Kunst zu ermöglichen und internationale Vernetzungen und lokale Anknüpfungspunkte zu schaffen.

 

 

Die Jury 2011

Ursula Damm, Medienkünstlerin und Professorin an der Medienfakultät der Bauhaus-Universität in Weimar

Kristian Lukic, Medienkünstler und Kurator am Museum für Zeitgenössische Kunst in Novi Sad

Lars Midboe, Co-Gründer, Co-Direktor und Kurator der Electrohype Biennale in Malmö, Schweden

Andrea Sick, Medienwissenschaftlerin, Kuratorin und Professorin am hochschulübergreifenden Studiengang Digitale Medien in Bremen



Jury 2011, v.l.n.r.: Joachim Werren, Generalsekretär der Stiftung Niedersachsen, Sabine Himmelsbach, Ursula Damm, Andrea Sick, Kristian Lukic, Lars Midboe


Die Stellungnahme der Jury zu den Preisträgern:

 

Darsha Hewitt: Electrostatic Bell Choir

Darsha Hewitt beeindruckte die Jury durch ihren unbekümmert direkten und gleichzeitig tiefsinnigen Umgang mit der Hardware des Medienzeitalters. Überzeugt hat die Jury die klare Aussage genauso wie das spielerische Vergnügen, mit welcher Darsha Hewitt Situationen voller ironischer Poesie inszeniert.

Sie ist eine der wenigen Frauen, die sich der Elektronik als Ausdrucksmittel ihrer Kunst bedient. Darsha Hewitt argumentiert nicht nur spielerisch oder kulturanalytisch. Sie baut keine historischen Speicherelemente oder Sensoren nach, betreibt keine Medienarchäologie oder Medienkritik. Sie befreit vielmehr Unterhaltungselektronik von ihren Anwendungen und Zwecken und nennt dies „Entmythologisieren“. Die Einzelteile dieses Recyclings verbindet sie neu - zu einer Welt, die erstaunlich unprätentiös, natürlich und – heute ungewohnt - unvermittelt wirkt.

Elektronische Geräte behandelt sie, als wären sie Skulpturen, liest ihre Konzepte ebenso wie ihre "Verpackung" und ihre materielle Ausstrahlung.

In ihren Installationen mischen sich sperrige Klänge, die sie den Geräten entlockt, mit der Ästhetik der obsolet gewordenen Hardware zu einer hintersinnig vergnüglichen Darbietung. Erkennbar wird die Beeinträchtigung unserer Umwelt durch die Geräte unserer Kommunikationskultur wie auch die Bedingtheit unserer Medienästhetik durch das sie erzeugende Gerät.

Darsha Hewitt fokussiert auf die ganzheitliche "Erscheinung" des zentralen Geräts des Zeitalters der Massenmedien: des Fernsehens. Ihre für das Edith-Russ-Haus vorgeschlagene Installation Electrostatic Bell Choir handelt von Seiteneffekten von Kathodenstrahl-Fernsehern: ihrer elektrostatischen Aufladung. Das Ein- und Ausschalten von Fernsehern wird zum Trigger eines "Glockenspiels", welches nicht, wie üblicherweise, mechanisch oder elektronisch betrieben wird, sondern mittels elektrostatischer Aufladung der Bildschirme. Diese betätigen, indem sie - ihrer Funktion enthoben - als Kondensator bzw. elektrischer Schalter benutzt werden, eine Anordnung von Glocken. Es entsteht ein  "quasi-melodischer"  Chor, in welchem sich mechanisches und elektronisches Zeitalter trifft und sich alte und neue Ästhetik aneinander ausprobieren.

Mit ihren Inszenierungen befördert Darsha Hewitt eine ganzheitliche Sicht unserer technisierten „Alltagskultur“ und verweist damit auf Fragen der nachhaltigen Lebensführung.

 

Ute Hörner/Mathias Antlfinger: factory ? farm

Ute Hörner/Mathias Antlfinger werden mit ihrem Projekt das komplexe System der zeitgenössischen Nahrungsmittelproduktion im lokalen Kontext von Niedersachsen untersuchen, das für seine massiven automatisierten Nahrungsproduktionseinrichtungen, insbesondere in der Fleischindustrie bekannt ist (auch in der Nähe von Oldenburg).

Ihr Fokus in der Analyse wird der dominierende Gebrauch von Technologie in dieser Produktion und deren Tendenz zu voll automatisierter Produktion sein. In ihrer Sicht dient das Bild des Bauernhofs heute als Projektion für eine akzeptable Behandlung von Tieren. Diese Projektion überdeckt den aktuellen Kontext der Fleischproduktion, die Fabrik. Hörner/Antlfinger sagen, dass diese Maschinenproduktion im Medienkontext als Black Box betrachtet werden kann, die Nahrung mit immer weniger wiedererkennbarem Ursprung ausspuckt (z.B. Hähnchenbrust).

Die Künstler werden das (ortsspezifische) Thema untersuchen und planen verschiedene Wege der Darstellung für die Öffentlichkeit, von der Medieninstallation zum Symposium. Der Projektvorschlag zeigt deutlich die strukturierte Idee und die ausführbare Durchführung unter Einbeziehung örtlicher Beteiligter. Die Bedeutung des Themas im deutschen Kontext ist hoch, da die Nahrungsproduktionsindustrie im weiteren Kontext eine öffentliche Transparenz vermissen lässt.

Obwohl sie ein wichtiges und ernstes Thema behandeln, beinhaltet das Projekt Elemente von Humor und erfrischender Ironie, die das Werk kommunikativ und verständlich machen.

 

Yunchul Kim: Amorphic scape

Yunchul Kims Projekt Amorphic scape ist ein außergewöhnliches Werk und zur gleichen Zeit ein natürlicher weiterer Schritt in seiner Kunstpraxis der letzten zehn Jahre. In früheren Werken integrierte er Aspekte wie innere und äußere Kommunikation, Erinnerung und künstliche Organe, die mit chemischen wie mit mechanischen Materialien konstruiert wurden und mit etwas, das er „Metamaterialien“ nennt.

Im Projekt Amorphic scape soll ein flüssiges Panel entwickelt werden, das photonische Kristalle enthält. Dieses Panel wird dann über Sensoren und Antennen (für den Input) und Variationen in den Schattierungen und dem Spektrum von Licht (als Output) mit seiner Umgebung kommunizieren. Der koreanische Künstler Yunchul Kim hat eine bemerkenswerte Entwicklung gezeigt, in der er sich von seinem Hintergrund in Musik in sein eigenes komplexes Universum der bildenden Kunst bewegt hat. In diesem Universum erforscht er verschiedene Aspekte von alter wie neuer Technologie, Chemie und Poesie. Indem er seinen kritischen Blick, seine Kenntnis und seine Fähigkeiten nutzt, kreiert er einzigartige Kunstobjekte in einem nahezu alchemistischen Prozess.

Yunchul Kim schafft nicht nur bewunderswerte und komplexe Objekte, sondern auch bei uns, den Betrachtern, ein Bewusstsein für Perspektiven unserer Existenz als Menschen und für unseren Gebrauch von Technologie, den wir zu oft für gegeben erachten.

Auf lange Sicht fokussiert Yunchul Kim nicht nur auf das Leben, das in Technologie reflektiert wird, sondern auch auf die klassischen Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft. Doch durch den Umweg über seinen starken Fokus auf die Konstruktion dieser komplexen Installationen, die harte und weiche Materialien und einen intelligenten Inhalt verbinden, bringt er uns den großen zentralen Fragen näher, die aus diesen klassischen Elementen selbst entstehen, namentlich dem Leben.

Übersicht über bisher vergebene Stipendien

Die bisherigen Stipendiaten waren:

2017 Noor Afshan Mirza/Brad Butler (GB), Stefan Panhans (D), Shirin Sabahi (IRN) mehr...
2016 Doireann O'Malley (IE), Zorka Wollny (PL), Amir Yatziv (IL) mehr...
2015 Mahmoud Khaled (EGY), Szabolcs KissPál (HUN), Anette Rose (GER) mehr...
2014 Derek Holzer (US), Ivar Veermäe (EE), Emma Wolukau-Wanambwa (GB) mehr...
2013 Marcello Mercado (ARG), Patricia Reis (P), Hannes Waldschütz (D) mehr...
2012 Kerstin Ergenzinger (D), Antoine Schmitt (F), Christoph Wachter/Mathias Jud (CH/D) mehr...
2011 Darsha Hewitt (CDN), Ute Hörner/Mathias Antlfinger (D), Yunchul Kim (KOR/D) mehr...
2010 HeHe (Helen Evans / Heiko Hansen), (F / D), Ralf Baecker (D), Anahita Razmi (D) mehr...
2009 Jana Linke (D), REINIGUNGSGESELLSCHAFT (D), The SINE WAVE ORCHESTRA (J) mehr...
2008 Petko Dourmana (BG), Kristin Lucas (USA), Cornelia Sollfrank (D) mehr...
2007 Jens Brand (D), Ellen Fellmann (D), Eddo Stern (USA/IL) mehr...
2006 Annina Rüst (CH), Corinna Schnitt (D), ubermorgen.com (CH/A) mehr...
2005 Amie Siegel (USA)
2004 Minerva Cuevas (MEX), Calin Dan (RO/NL), Martine Neddam (F/NL)
2003 Dave Allen (GB/D), Bernadette Corporation (USA/D), Naomi Ben-Shahar (ISR/USA)
2002 Johan Grimonprez (B), Dagmar Keller/Martin Wittwer (D/CH), Florian Zeyfang (D)
2001 Susanne Weirich (D) mehr...

 

Edith-Russ-Haus Nachwuchsförderpreise für Medienkunst der Sparda-Bank

2015 Chris Alton (UK), Marta Popivoda (SRB) mehr...
2014 Adam Basanta (CA), Julian Stein (US) mehr...
2013 Hyun Ju Song und Mi Lyoung Bae (KR), Kuai Shen Auson Ortega (EC) mehr...


Die bisherigen Stipendiaten im Austauschstipendium mit dem Digital Art Center Taipei, Taiwan, waren:

2011 Tai-Wei Kan mehr...
2010 Yun-Ju Chen, Kerstin Ergenziger mehr...

Edith-Russ-Haus für Medienkunst, Katharinenstraße 23, D-26121 Oldenburg, Tel.: +49(0)441/235-3208, Fax.: +49(0)441/235-2161
Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 14 - 18 Uhr, Samstag - Sonntag 11 - 18 Uhr, Montag geschlossen info@edith-russ-haus.de
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