Stipendien 2009

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Stipendien der Stiftung Niedersachsen für Medienkunst 2009 am Edith-Ruß-Haus für Medienkunst Preisträger sind:

Jana Linke, Deutschland


REINIGUNGSGESELLSCHAFT (Martin Keil, Henrik Mayer), Deutschland

The SINE WAVE ORCHESTRA (Ken Furudate, Kazuhiro Jo Daisuke Ishida, Mizuki Noguchi), Japan

Ermöglicht durch die Stiftung Niedersachsen hat das Edith-Ruß-Haus für Medienkunst für das Jahr 2009 drei sechsmonatige und mit 10.000 Euro dotierte Arbeitsstipendien vergeben. Auf die internationale Ausschreibung erfolgte wieder eine sehr hohe Anzahl von Bewerbungen (388).

Die Jury:
Stephen Kovats, künstlerischer Leiter der Transmediale Berlin (CAN/D)
Graham Harwood, Künstler (GB)
Amanda McDonald Crowley, Leiterin des Medienzentrums Eyebeam, New York (US)
Yukiko Shikata, Kuratorin am ICC – Intercommunication Center Tokio (J)
Sabine Himmelsbach, Leiterin, Edith-Ruß-Haus für Medienkunst (D)

Jury 2009 (linkes Bild v.l.n.r.): Graham Harwood, Yukiko Shikata, Sabine Himmelsbach, Amanda McDonald Crowley, Stephen Kovats


Die Stellungnahme der Jury zu den Preisträgern:

Jana Linke, EMDAS1 (Eine Maschine, die Arbeit schafft)
Während des größten Teils des zwanzigsten Jahrhunderts gab es eine direkte Korrelation zwischen der Kapitalmenge, die in die Produktion einer Maschine investiert wurde, und der Zahl der Arbeitskräfte, die für ihren Betrieb oder ihre Wartung erforderlich waren. In den letzten Jahren hat sich diese Korrelation umgekehrt. In diesem Kontext schlägt Jana Linke die Produktion einer ‚dekadenten’ Maschine für die Erzeugung von Arbeit vor. Ihr Prinzip besteht darin, dass Systeme nicht nur ein Gleichgewicht zwischen Akkumulation und Produktion herstellen, sondern auch das Prinzip der Verschwendung von Energie und der Flüchtigkeit von Arbeit berücksichtigen müssen. Das Projekt wirft die Frage auf, ob Maschinen mehr Arbeit erzeugen als sie vernichten, und hinterfragt damit den zentralen Wert und die Funktion der Maschine als Instrument globalisierter Arbeit in unserer Gesellschaft.

Jana Linke: click&glue 2Jana Linke: click&glue 2

Der Jury gefiel die Klarheit und poetische Schlichtheit des Vorschlags. Er stellt eine deutliche Weiterentwicklung von Linkes elegant gestalteten und technisch präzisen Werken dar, die sich mit den Beziehungen zwischen Systemästhetik und Humanprozessen befassen und uns ermutigen, unsere Maschinenumwelt als philosophische Spekulation zu betrachten statt einfach nur als Produkt einer utilitaristischen Gesellschaft. Ohne selbst eine konkrete Antwort zu geben, reflektiert das Werk die der Naturwissenschaft innewohnende(n) Prozesse, Informationen und Technologie.
Der Vorschlag spielt mit zahlreichen historischen Querverweisen vom „Deus ex Machina“ der griechischen Antike über die Unsinnsmaschinen der Literatur des neunzehnten Jahrhunderts und die phantasmagorischen Konstrukte Marcel Duchamps, mit denen dieser das zunehmende blinde (und blind machende) Vertrauen in die Technologie kritisierte. Während sich die Maschinen im digitalen Kontext des einundzwanzigsten Jahrhunderts in die Netze ausweiteten und uns exklusiv binden, weist uns EMDAS1 darauf hin, dass die grundlegende Rolle der Kunst darin besteht, unsinnige Maschinen hervorzubringen.


REINIGUNGSGESELLSCHAFT (Martin Keil, Henrik Mayer), Die Risiko Gesellschaft Naturwissenschaftliches Management (Taylorismus) war die treibende Kraft, die 1951 den ersten Business Computer Leo (Lyons Electric Office) zur Folge hatte. Im Gegensatz zu seinen amerikanischen Pendants zur Zeit des Kalten Krieges geschah dies nicht um der verhältnismäßig einfachen Aufgabe willen, die Flugbahnen von Geschossen zu berechnen, sondern um die ungleich schwierigere Aufgabe zu lösen, das mit dem Verkauf von Tee und Kuchen im UK verbundene finanzielle Risiko zu berechnen. Die Logik von Leo ist, mehr als die irgendeines seiner Verwandten, fester Bestandteil der logischen Struktur der Risikogesellschaft geworden.

REINIGUNGSGESELLSCHAFT: RisikogesellschaftREINIGUNGSGESELLSCHAFT: Die Risiko Gesellschaft

Den Künstlern zufolge galt während der letzten Jahrzehnte die Annahme eines Primats der Ökonomie. Doch angesichts der Folgen der derzeitigen Finanzkrise lässt sich dieses Dogma in Frage stellen. Indem es die Fragen aufwirft „Wie beeinflusst diese globale Krise die menschliche Identifikation mit der Arbeit?“ und „Gibt es eine zunehmenden Tendenz, ökonomische Risiken Individuen zuzuschreiben?“ problematisiert der Vorschlag die Kontrollsysteme und Softwarekulturen, die eine Risikogesellschaft propagiert. Die Mitglieder von REINIGUNGSGESELLSCHAFT bedienen sich bei ihren Erkundungen einer breiten Palette von Medien. Der Jury gefiel die Strategie der Gruppe, lokale Gemeinschaften in Oldenburg miteinzubeziehen und ihre künstlerischen Aktivitäten über das Edith-Russ-Haus durch Gespräche, Workshops und Präsentationen mit öffentlicher Interaktion zu verbinden. Mit einer künstlerischen Praxis, die Medien und Gesellschaft als Prozess untersucht, enthüllt ihre Form der Kritik die Turbulenz- und Risikomechanismen auf eine zum Nachdenken anregende und humorvolle Weise.


The SINE WAVE ORCHESTRA (Ken Furudate, Kazuhiro Jo, Daisuke Ishida, Mizuki Noguchi)
Die Grundlagen unserer vernetzten, globalen und technologischen Kultur und der daraus resultierenden Interaktionsmittel sind durch die Sinuskurve miteinander verbunden. Wir tanzen mit unseren MP3-Playern zu ihr, sehen dank ihr Fernsehen und surfen auf ihren Höhen und in ihren Tälern, wenn wir Ferngespräche führen. Sinuskurven bilden einen ätherischen und allgegenwärtigen Rahmen, der das taktile Material wird, welches das SINE WAVE ORCHESTRA (SWO) mittels einzigartiger partizipatorischer Klangereignisse skulptural ausformt und manipuliert. Auf der Grundlage einer Reihe von Performances und Klangkonstrukte, die die Gruppe seit 2002 aufgeführt hat, sieht der Vorschlag für das Edith-Russ-Haus die Erzeugung eines lichtsensiblen Instruments vor, das die visuelle Komponente eines in einem abgedunkelten Raum stattfindenden Stückes strukturiert. Die Mitglieder des Publikums nehmen alle zusammen an der Erzeugung eines Meeres von Sinuswellen teil, das als die vereinheitliche Klangrepräsentation des von ihnen produzierten Lichtes fungiert.

The SINE WAVE ORCHESTRA at ZeroOne San Jose/ISEA 2006The SINE WAVE ORCHESTRA at ZeroOneSan Jose/ISEA 2006

Das SINE WAVE ORCHESTRA bewirkt neue Formen der Klangperformance und erzeugt dabei gemeinsame Systeme und Environments, die Mittel der Partizipation, des Verhaltens und der Interpretation erkunden, indem sie den Akt des Zuhörens in den Akt des Spielens verwandeln. Damit verwandelt das SINE WAVE ORCHESTRA zugleich die minimale Natur und die Einfachheit der Sinuskurven in ein komplexes künstlerisches Konstrukt, das uns in einen intimen Kontakt mit der Physik unserer akustischen Umwelt bringt.

Übersicht über bisher vergebene Stipendien

Die bisherigen Stipendiaten waren:

2017 Noor Afshan Mirza/Brad Butler (GB), Stefan Panhans (D), Shirin Sabahi (IRN) mehr...
2016 Doireann O'Malley (IE), Zorka Wollny (PL), Amir Yatziv (IL) mehr...
2015 Mahmoud Khaled (EGY), Szabolcs KissPál (HUN), Anette Rose (GER) mehr...
2014 Derek Holzer (US), Ivar Veermäe (EE), Emma Wolukau-Wanambwa (GB) mehr...
2013 Marcello Mercado (ARG), Patricia Reis (P), Hannes Waldschütz (D) mehr...
2012 Kerstin Ergenzinger (D), Antoine Schmitt (F), Christoph Wachter/Mathias Jud (CH/D) mehr...
2011 Darsha Hewitt (CDN), Ute Hörner/Mathias Antlfinger (D), Yunchul Kim (KOR/D) mehr...
2010 HeHe (Helen Evans / Heiko Hansen), (F / D), Ralf Baecker (D), Anahita Razmi (D) mehr...
2009 Jana Linke (D), REINIGUNGSGESELLSCHAFT (D), The SINE WAVE ORCHESTRA (J) mehr...
2008 Petko Dourmana (BG), Kristin Lucas (USA), Cornelia Sollfrank (D) mehr...
2007 Jens Brand (D), Ellen Fellmann (D), Eddo Stern (USA/IL) mehr...
2006 Annina Rüst (CH), Corinna Schnitt (D), ubermorgen.com (CH/A) mehr...
2005 Amie Siegel (USA)
2004 Minerva Cuevas (MEX), Calin Dan (RO/NL), Martine Neddam (F/NL)
2003 Dave Allen (GB/D), Bernadette Corporation (USA/D), Naomi Ben-Shahar (ISR/USA)
2002 Johan Grimonprez (B), Dagmar Keller/Martin Wittwer (D/CH), Florian Zeyfang (D)
2001 Susanne Weirich (D) mehr...

 

Edith-Russ-Haus Nachwuchsförderpreise für Medienkunst der Sparda-Bank

2015 Chris Alton (UK), Marta Popivoda (SRB) mehr...
2014 Adam Basanta (CA), Julian Stein (US) mehr...
2013 Hyun Ju Song und Mi Lyoung Bae (KR), Kuai Shen Auson Ortega (EC) mehr...


Die bisherigen Stipendiaten im Austauschstipendium mit dem Digital Art Center Taipei, Taiwan, waren:

2011 Tai-Wei Kan mehr...
2010 Yun-Ju Chen, Kerstin Ergenziger mehr...

Edith-Russ-Haus für Medienkunst, Katharinenstraße 23, D-26121 Oldenburg, Tel.: +49(0)441/235-3208, Fax.: +49(0)441/235-2161
Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 14 - 18 Uhr, Samstag - Sonntag 11 - 18 Uhr, Montag geschlossen info@edith-russ-haus.de
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