Stipendienvergabe des Edith-Ruß-Hauses für Medienkunst 2007
Ermöglicht durch die Stiftung Niedersachsen hat das Edith-Ruß-Haus für Medienkunst für das Jahr 2007 drei 6-monatige und mit 10.000 Euro dotierte Arbeitsstipendien vergeben. Auf die internationale Ausschreibung erfolgte wieder eine erfreulich hohe Anzahl von Bewerbungen: 292 Bewerbungen aus aller Welt gingen im Edith-Ruß-Haus ein.
Die Jury
Sabine Himmelsbach, Edith-Ruß-Haus für Medienkunst, Oldenburg
Björn Melhus, Berlin
Tom Holley, Huddersfield, Großbritannien
Christina Kubisch, Berlin
Die Entscheidung der Jury
Jens Brand (Deutschland) für das Projektvorhaben The red psi donkey
Ellen Fellmann (Deutschland) für die Umsetzung eines audiovisuelles Streichquartetts
Eddo Stern (Israel / USA) für das Projektvorhaben Darkgame zu fördern.
Die Stellungnahmen der Jury zu den Preisträgern
Jens Brand
In seinem Projekt The red psi donkey plant Jens Brand, Klang zu visualisieren. Das statische Bild eines roten Esels wird von Schallwellenmustern produziert und mit Hilfe einer akustischen Kamera sichtbar gemacht. Das Wellenmuster, das wie ein roter Esel aussieht, existiert nur so lange sich die Wellen ungestört im leeren Ausstellungsraum ausbreiten. Sobald jemand den Ausstellungsraum betritt, verändert sich das Wellenmuster und das Bild des roten Esels verschwindet. Jens Brand eignet sich bestehende mediale Techniken an, die er auf überzeugende Art und Weise zu einem individuellen Werkzeug weiterentwickelt und oft auf ironische Art und Weise die ursprüngliche Funktionalität konterkariert. Wie ein Forscher entwickelt er Prozesse, die nicht einem wissenschaftlichen Fortschrittsdenken verpflichtet sind, sondern die spielerisch den Zweck dieser Forschung in Frage stellen. The red psi donkey ist ein rätselhaftes Bild, dessen Auflösung die Unmöglichkeit demonstriert, die Welt außerhalb unserer visuellen Wahrnehmung zu erfassen.
Ellen Fellmann
Ellen Fellmann interessiert sich für Erforschung der Kommunikationsfähigkeit der Ausdrucksformen Ton- und Videokunst. Sie untersucht, ob und wie eine musikalische Form der Vergangenheit heute immer noch aktuell und wichtig für uns sein kann, indem sie klassische Formen re-interpretiert und in Form einer medialen Polyphonie neu bestimmt. Entscheidend ist dabei die Bedeutungsbildung über die gestische Kraft, die sich über unterschiedliche Qualitäten von Bewegung transportiert und transferiert. In ihrem geplanten „Audiovisuellen Streichquartett“ versucht sie das klassische Streichquartett in gestisch-choreographischer und audio-visueller Form neu zu bestimmen, indem eine „Bildstimme“ eingesetzt wird, die wie eine musikalische Stimme behandelt wird. Sie plant dazu ein audiovisuelles Konzert und eine Installation. Sie hat dazu ein gestisches Vokabular an Bewegungsformen entwickelt, aus dem gleichermaßen bewegte Bild- wie auch Klangformen entstehen können. Das Vokabular dient als Grundlage für die Komposition der Bild- und Klangstimmen. Bilder und Töne werden in Echtzeit generiert und zum Teil durch Software manipuliert und transformiert. Die Aufführung sieht Projektionen auf mehreren Leinwänden und ein Surround-Sound-Lautsprechersystem vor. So entsteht eine neuartige audiovisuelle Kompositionsform.
Eddo Stern
Eddo Stern erhält das Stipendium des Edith-Ruß-Hauses für Medienkunst um seine Videospielinstallation Darkgame zu entwickeln, in der die Spieler mehrerer ihrer Sinne beraubt werden. Jeder der drei Spieler von Darkgame wird speziell entwickeltes Zubehör tragen – eine Maske, ein Headset, einen Anzug – das jeweils einen der drei Sinne isoliert – Tast-, Hör- und Sehsinn. Das Spiel selbst führt durch eine Reihe von erzählerischen Interaktionen, die so angelegt sind, dass sie sich als jeweils vor- und nachteilig für einen der unterschiedlichen Zustände erweisen. Manche Bereiche sind dunkel, jedoch mit Klangquellen ausgestattet, andere sind beleuchtet aber still. Wiederum andere sind sowohl visuell als auch akustisch zu erfahren. In einer Zeit, in der die Unterhaltungsindustrie versucht, höchste sinnliche Erfahrungen anzubieten, untersucht Sterns Darkgame die sinnliche Erfahrung kritisch, indem es unsere Sinne durch Entbehrung schärft. Stern macht uns auf sinnliche Benachteiligungen aufmerksam, die in unserer Gesellschaft kaum beachtet werden. Indem er diese Erfahrung in seinem Spiel ermöglicht, lässt er erleben, wie ein Nachteil in einer der verschiedenen Umgebungen des Spiels zu einem Vorteil werden kann. Indem er diese Arten des Sinnesentzugs nutzt, schafft er eine gesteigerte Aufmerksamkeit für alle unsere Sinne.
Biografische Information zu den Stipendiaten und Bildmaterial stellt das Edith-Ruß-Haus für Medienkunst auf Wunsch zur Verfügung.