Nachwuchsförderpreis 2014

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Edith-Russ-Haus Nachwuchsförderpreise für Medienkunst der Sparda-Bank 2014

Edith-Russ-Haus Nachwuchsförderpreise für Medienkunst der Sparda-Bank 2014

Jury:

Andrea Cinel

Claudia Giannetti

Franz John

Piotr Krajewski

 

Die Jury prämiert einstimmig folgende Künstler und Werke:

 

I) Die Edith-Russ-Haus Nachwuchsförderpreise für Medienkunst der Sparda-Bank 2014, dotiert mit jeweils 3.000,- und Teilnahme an der  Ausstellung, gehen an:

Adam Basanta & Julian Stein, “Invisible Lines”, 2013

Sound Installation

Axel Straschnoy, “Kilpisjärvellä”, 2012

Film, 4k Fulldome, 17’ (Planetarium)

 

II) Auszeichnungen: Teilnahme an der Ausstellung

Anaisa Franco, “Devenir: An Interface of Gender Fluctuation”, 2013

Interaktive audiovisuelle Installation

Carolin Liebl & Nikolas Schmid-Pfähler, “Vicent und Emily”, 2012

Interaktive robotische Installation

Lukas Marxt, “Reign of Silence”, 2013

Videokunstarbeit, HD, 16:9, 7’20’’

 

III) Die Jury kam überein, zwei besondere Erwähnungen für folgende Künstler und Werke auszusprechen, mit der Möglichkeit, an der Ausstellung teilzunehmen.

Anaïs met den Ancxt & Grégory Lasserre, “Fluides”, 2011

Interaktive Installation

Borja Rodríguez Alonso, “Why”, 2013

Videokunstarbeit, 4’53’’


Lesen sie im folgenden die Begründungen:

I)

Adam Basanta & Julian Stein, “Invisible Lines”, 2013

Sound Installation

Die Arbeit "Invisible Lines" der beiden in Montreal (Kanada) lebenden Klangkünstler und Komponisten Adam Basanta (Tel Aviv-Yafo, 1985) und Julian Stein (Allentown, Pennsylvania, 1989) überzeugte durch ihre Klarheit, eine scheinbare akustische Fehlfunktion (mikrofonische Feedbacks) zu einer vielschichtigen Klang- und Raumkomposition zu vereinen. In dieser installativ angelegten Arbeit stehen sich jeweils sechs Lautsprecher und Mikrofone in einer fest angelegten Ordnung gegenüber. Die hierbei entstehenden feedback loops und oszillierenden Prozesse werden über eine eigens entwickelte Software in einem ständig sich verändernden, aber selbstregulierenden Spannungsfeld aus chaotischen Strukturen (Instabilität) und geordneten Strukturen (Stabilität) gehalten. Auf diese Weise entsteht aus einer zunächst einfachen Anordnung ein komplexes Instrumentarium, das sowohl mit den Erwartungen des Betrachters bzw. Zuhörers spielt und zugleich in seiner fast virtuosen Vielfalt als Komposition verblüfft.

 

Axel Straschnoy, “Kilpisjärvellä”, 2012

Film, 4k Fulldome, 17’ (Planetarium)

Die Arbeit "Kilpisjärvellä" des in Buenos Aires (Argentinien) geborenen und in Finnland lebenden Künstlers Axel Straschnoy überzeugte die Jury durch ihre Vielschichtigkeit, ihre unkonventionelle Narrativität und poetische Qualität, sich einem Naturphänomen — der Aurora Borelaris — mit künstlerischen Mitteln zu nähern und zu ergründen.

Ausgangspunkt dieser zunächst performativ angelegten Arbeit sind zwei Akteure, die klassisch versuchen, über mehrere Tage hinweg die bestmöglichen Aufnahmepunkte zum Einfangen dieses Naturphänomens zu finden. Durch den Einsatz einer vorwiegend statisch installierten HD-Filmkamera — mit Fisheye-Linse und in Stopmotion — wird die Handlung selbst Teil eines mehrtägigen übergeordneten Konzepts, den für den Betrachter sichtbaren Teil der Reise auf den umgebenden Raum auszudehnen und als Landschaft mit Tag- und Nachthimmel (mit elektrostatischen Lichtphänomenen) für das spätere Abspielen in einer immersiven Ausstellungssituation als Planetarium aufzuzeichnen.

 

II) 

Anaisa Franco, “Devenir: An Interface of Gender Fluctuation”, 2013

Interaktive audiovisuelle Installation

Das Werk der in Brasilien geborenen und in Berlin lebenden Künstlerin setzt sich aus zwei Teilen zusammen: ein interaktives Objekt, das aus einem Spiegel besteht, in dem der Betrachter sein Gesicht in einem Prozess der Veränderung von männlichen und weiblichen Merkmalen beobachten kann; und elf Videointerviews, in denen Transsexuelle über die eigenen Geschlechtsveränderungen berichten.

Als positiv wurde von der Jury die Behandlung der komplexen Fragen der Queer-Theorie mittels Konfrontation der Besucher mit der eigenen Identitätskonstruktion und den offenen und wahrhaftigen Aussagen der Interviewten bewertet. So kommen soziale, politische und kulturelle Problematiken über den individuellen Rahmen hinaus zur Debatte.

 

Carolin Liebl & Nikolas Schmid-Pfähler, “Vicent und Emily”, 2012

Interaktive robotische Installation

Vincent und Emily sind zwei eigenwillige Roboter, die Kommunikationsproblematiken in Partner- und Gesellschaftsbeziehungen thematisieren. Durch Sensoren fangen sie Geräusche und Bewegungen ein und reagieren auf diese Signale mit eigenen Ausdrücken.

Die Jury war beeindruckt von der Art und Weise, in der das in Deutschland geborene Künstlerpaar Carolin Liebl (Lichtenfels, 1989) und Nikolas Schmid-Pfähler (Gießen, 1987) die Mensch-Technikbeziehungen dargelegt hat. Zwei Automaten stehen in einem bizarren Konflikt mit der Umwelt. Weit entfernt, bloße Interaktivitätsobjekte zu sein, zeigen Vincent und Emily "Emotionen" und Reaktionen in einer subtilen aber auch amüsanten Form, die den Betrachter dazu verführen, beide als Lebewesen zu behandeln.

 

Lukas Marxt, “Reign of Silence”, 2013

Videokunstarbeit, HD, 16:9, 7’20’’

Der in Köln lebende österreichische Künstler Lukas Marxt (1983) konzentriert sich, bezugnehmend auf Spinoza, mit natura naturans. In anderen Worten, die Idee, dass "Natur tut, was Natur tun muss" wird von Marxt in einem aktiven Sinne behandelt. Die Jury war von der metaphysischen und minimalen Ästhetik des Videos "Reign of Silence" (2013) beeindruckt. Eine statische Aufnahme zeigt einen ruhigen See vor einem Berg. Ein per Funk gesteuertes Motorboot erscheint im Bild, formt eine Spirale auf der Oberfläche des Sees und verlässt die Szene, wonach die Spirale sich langsam auflöst. Keine visuelle oder akustische menschliche Präsenz ist identifizierbar. Marxt evoziert Robert Smithson, Richard Long oder James Benning, aber aktualisiert in einer persönlichen und poetischen Weise deren kontemplative Sprache der Land- und Performing-Art.

 

III)

Anaïs met den Ancxt & Grégory Lasserre, “Fluides”, 2011

Interaktive Installation

"Fluides" ist eine organische und reaktive Installation, in welcher Wasser als Interface zwischen Teilnehmer und Werk eingesetzt wird. Je nach Intensität von elektrostatischer Energie und verschiedener Wechselwirkungen vom Publikum entstehen unterschiedliche Licht- und Soundwellen an der Oberfläche. Die Jury erkennt die Forschung des aus Frankreich stammenden Künstlerpaares Anaïs met den Ancxt und Grégory Lasserre von nicht konventionellen Interfaces für die Förderung des Dialoges zwischen Publikum und Werk in einer intuitiven Form an.

 

Borja Rodríguez Alonso, “Why”, 2013

Videokunstarbeit, 4’53’’

Das Werk des spanischen Künstlers Borja Rodríguez Alonso (1987) reflektiert über die Auswirkungen der Medien auf unser tägliches Leben und unsere Wahrnehmung der Massengesellschaft. Seine Arbeit beleuchtet die Dynamik und Paradoxien der gegenwärtigen massiven Beteiligung in den sozialen Netzwerken. Die Jury wurde von den kritischen Fragen des Ein-Kanal-Videos "Warum" (2013) überzeugt. Basierend auf der  Google-Websuche-Hilfe zeigt das Video wie bestimmte eingegebene Wörter oder Satzteile automatisch vervollständigt werden. Obwohl Google-Algorithmen nicht nachvollziehbar sind, werden sie aus von unzähligen Internet-Nutzern gesammelten Daten und den Ergebnissen von Interpolationen ermittelt. Diese Vorschläge spiegeln unsere Interessen, Stereotypen und Fantasien, aber sie können auch Einfluss auf unsere Browsing-Verhaltensweisen nehmen. "Warum" konfrontiert uns durch eine einfache, aber gut durchdachte Dokumentation verschiedener Sucheingaben mit unseren aktuellen Media-Konditionierung und Standardisierung.

Edith-Russ-Haus für Medienkunst, Katharinenstraße 23, D-26121 Oldenburg, Tel.: +49(0)441/235-3208, Fax.: +49(0)441/235-2161
Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 14 - 18 Uhr, Samstag - Sonntag 11 - 18 Uhr, Montag geschlossen info@edith-russ-haus.de
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