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JURYBESCHLUSS

Renate Buschmann

Claudia Giannetti

Hermann Nöring

Andrea Sick

 

Die Stipendien für Medienkunst der Stiftung Niedersachsen am Edith-Russ-Haus für Medienkunst 2014 - jeweils dotiert mit 10.000,00 € - gehen an:

 

Derek Holzer, „Delilah Too“

Sound Art Installation

Ivar Veermäe, „Center of Doubt“

Audiovisuelle Installation

Emma Wolukau-Wanambwa, „Paradise“

Mixed Media Installation

 

Jurybegründungen:

 

Derek Holzer, „Delilah Too“

Der in Berlin lebende US-amerikanische Klangkünstler Derek Holzer betreibt mit seinem Projekt DELILAH TOO medienarchäologische Forschung zur Realisierung eines Instrumentes der Sprachkryptografie auf Basis eines Vocoders. Dieses Gerät aus der Geschichte der elektronischen Musik ist die Grundlage einer mehrteiligen Soundinstallation. Den Besuchern wird ermöglicht, Gespräche verschlüsselt von einem privatem Raum zu einem anderen zu senden, wo sie für den Hörer wieder entschlüsselt werden. Die so modulierten Stimmen erzeugen einen abstrakten, elektronischen Raumklang, der für alle Besucher des umgebenden öffentlichen Raumes wahrnehmbar ist.

Mit dem experimentellen Klangkunstprojekt DELILAH TOO transformiert Derek Holzer nicht nur ein Instrument aus der Frühgeschichte der elektronischen Musik für die aktuelle Nutzung analoger Komposition. Er schafft auch eine künstlerische Transmission der gegenwärtigen Debatte um den Schutz der privaten und die Grenzen der öffentlichen Sphäre. Insbesondere Holzers ausgiebige Recherche zur Geschichte der elektronischen Klangerzeugung und sein Vorhaben, die künstlerische Umsetzung im DIY-Verfahren zu realisieren, sowie sein gesellschaftlich-politischer Ansatz, der sich nicht zuletzt in dem titelgebenden Bezug auf Alan Turings Kryptoprojekt “Delilah” ausdrückt, haben die Jury überzeugt.    

 

Ivar Veermäe, „Center of Doubt“

Der aus Estland stammende Künstler Ivar Veermäe beschäftigt sich seit längerem mit globalen Datenzentren und Internetkonzernen, deren Einflussbereich für jeden Internetuser erkennbar ist, deren Funktions- und Steuerungszentralen aber nur schwer lokalisierbar sind. In den meist videobasierten Installationen von Veermäe werden die architektonischen Repräsentanzen dieser mächtigen, scheinbar ortlosen Informations- und Datensammlungszentralen sichtbar gemacht.

„Center of Doubt“ nennt der Künstler sein künstlerisches Forschungsprojekt, in dem die tatsächlichen Orte dieser Schalt- und Speicherzentralen eine bildliche Gestalt annehmen. In einer zurückgenommenen, betont dokumentarischen Bildsprache betreibt der Künstler eine Spurensuche entlang der Markierungslinien solcher industriell anmutender Anlagen, entlang von Sicherheitszäunen, Einlasssperren und versteckten Hinweisschildern.

Die Jury unterstützt die Nachforschungen des Künstlers, die gerade derzeit von erheblicher gesellschaftlicher Brisanz sind. Das Sammeln, Aneignen, Verarbeiten, Weitergeben und Überwachen von persönlichen und öffentlichen Daten ist ein aktuelles Phänomen, das eine künstlerische Kommentierung verlangt. Im Rahmen des Stipendiums wird Ivar Veermäe eine kritische Beobachtung des Neubaus der Deutschen Telekom durchführen, der als größtes Rechenzentrum Deutschlands derzeit in Biere im Bundesland  Sachsen-Anhalt errichtet wird. Die Jury möchte dem Künstler Gelegenheit geben, seine Recherchen fortzusetzen und seine fundierten, meist videobasierten Materialsammlungen in eine künstlerisch adäquate Darstellungsform zu überführen.

 

Emma Wolukau-Wanambwa, „Paradise“

Das künstlerische Forschungs- und Installationsprojekt der aus Uganda stammenden, in Glasgow geborenen und derzeit in Berlin lebenden Künstlerin Emma Wolkukau-Wanambwa befasst sich mit der vergessenen Geschichte von europäischen Flüchtlingen, die während des 2. Weltkriegs in den Iran evakuiert wurden und von dort nach Afrika flüchteten, zum Beispiel nach Uganda in von Engländern eingerichtete Flüchtlingscamps. Mit diesem Vorhaben knüpft die Künstlerin Emma Wolkukau-Wanambwa an ihre vorherigen Arbeiten an, in denen sie zum Kolonialismus in Ostafrika gearbeitet hat. Ihr besonderes Interesse galt auch dabei den Erinnerungstechniken.

Das Projekt der Künstlerin „Paradise“ überzeugte die Jury insbesondere auf Grund des brisanten Themas, welches einen bisher kaum publizierten Zusammenhang zwischen Europa und Afrika bekannt machen kann. Die schon getätigten Vorarbeiten der Künstlerin lassen einen sehr präzisen, gewissenhaften und vielschichtigen Umgang mit den gefundenen Materialien erkennen. Die Jury sieht in der geplanten narrativen dokumentarischen Arbeit, die als eine auf Fotografie, Film und Text basierende Mixed Media Installation geplant ist, die Möglichkeit, öffentlich wirksam wichtige Fragen von einem künstlerischen Blickwinkel aus zur Migrations- und Kolonialgeschichte zu stellen, die auch heutige Zusammenhänge der Flüchtlingsbewegungen neu beleuchten können. 

Edith-Russ-Haus für Medienkunst, Katharinenstraße 23, D-26121 Oldenburg, Tel.: +49(0)441/235-3208, Fax.: +49(0)441/235-2161
Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 14 - 18 Uhr, Samstag - Sonntag 11 - 18 Uhr, Montag geschlossen info@edith-russ-haus.de
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