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Gespräch mit Ken Duken

Rubriken: Kriegsfilme
09.09.2010, 12:30 Uhr

geführt von Sabine Fokken

Im Rahmen des 21. Filmfestes Emden- Norderney, welches vom 02.06- 09.06.2010 stattfand, hatte ich die Möglichkeit, ein Gespräch mit dem bekannten Schauspieler Ken Duken zu führen. Duken war Jurymitglied der Filmfestjury und stellte selber mehrere Filme, mit ihm in der Hauptrolle, vor. Aufgrund fehlender Tonbandaufzeichnungen sowie schriftlichen Belegen möchte ich darauf hinweisen, dass ich unsere Unterhaltung aus dem Gedächtnis und somit nicht wortgetreu wiedergebe.

Zunächst zur Person. Ken Duken wurde am 17. April 1979 in Heidelberg geboren. Er ist ein deutscher Schauspieler und hat bereits in zahlreichen Fernsehproduktionen und Kinofilmen mitgespielt und führt auch selber gerne mal Regie, z.B. in Musikvideos. Schlaraffenland, Max Manus, Inglorious Basterds oder Zweiohrküken zählen mit zu den populärsten Veröffentlichungen mit ihm als Schauspieler.
Nachdem ich ihm von unserem Weblog mit dem Thema Kriegsfilme (Wie werden dominante Männlichkeiten in Kriegsfilmen dargestellt?) erzählte, schien er sehr interessiert zu ein. Da er selber schon mehrfach Soldaten in kriegerischen Filmen verkörperte, hatte er sich bereits zuvor mit einer ähnlichen Fragestellung auseinander gesetzt. Außerdem findet er das Thema „Männer und Frauen und deren Sicht bzw. sozial zugeschriebenen Pflichten in der Gesellschaft“ spannend. Als Beispiel seiner Überlegungen nannte er die immer komplexere Rolle für Frauen, die seiner Meinung nach, immer mehr Aufgaben zu erfüllen haben. Die Gesellschaft möchte eine erfolgreiche Geschäftsfrau, eine einfühlsame und sorgsame Mutter sowie eine perfekte, treue und natürlich attraktive Ehefrau. Möchte sich die Frau jedoch mal einer Aufgabe besonders widmen (Duken nannte die Situation nach einer Geburt), wird dieses nicht immer akzeptiert.

Doch zurück zum eigentlichen Thema: wir sprachen speziell über den Film „Willkommen zuhause“. In diesem spielt der 31-Jährige einen Soldaten namens Ben, der unverletzt aus dem Afghanistankrieg zurückkehrt. Doch die Erlebnisse des Krieges lassen ihn nicht mehr los und er findet sich nicht mehr in seiner heimatlichen Umgebung zurecht. Auch seine Familie weiß nicht mit der Situation umzugehen. Letztendlich lässt er sich auf eine Trauma-Therapie ein, um die Erlebnisse bewältigen und verarbeiten zu können. Ich fragte Ken Duken nach den Parallelen zum Heimkehrerfilm „Nacht vor Augen“. Dieser Film ist auch eine deutsche Produktion, erschien fast zeitgleich und behandelt das gleiche Thema. Ken nannte mir daraufhin einige Unterschiede wie z.B. die Darstellung kurzer Ausschnitte aus Afghanistan und den Appell an die Menschen, was bei „Nacht vor Augen“ anders gelöst wurde. Duken betonte zudem die aufwändige jedoch hervorragende Arbeit mit einem Bundeswehrarzt bzw. Bundeswehrpsychologen, der ihn bei der Vorbereitung unterstützte und ihm hilfreiche Tipps gab. So konnte er sich auf die Figur Ben als traumatisierten Heimkehrer vorbereiten, sich in diese Rolle „hineinfühlen“ und sie dementsprechend authentisch darstellen. Da er sich lange und ausgiebig auf seine Rollen vorbereitet, ist es für ihn, gerade bei Kriegsfilmen, sehr emotional, wenn er sich wieder auf der Leinwand sieht. So erklärte er mir, dass er nachdem er vom Zuschauen einer seiner Filme zurück kommt, immer etwas Zeit für sich braucht, da ihn die Geschichten und die Gefühle hinter den gespielten Rollen immer sehr nachdenklich stimmen.

Als große Leidenschaft bezeichnet Ken Duken das Laufen, was ihm bei den Dreharbeiten zu „Willkommen zuhause“ sehr geholfen hat, denn die Rolle, der Soldat Ben, versuchte durch das ewige Trainieren bzw. Weglaufen seinem Trauma zu entkommen. Zurzeit trainiert er auch für einen Marathon. Wir diskutierten darüber, ob das Flüchten bzw. das Wegrennen des Soldaten Ben, Schwäche zeigen soll oder ob es im Gegensatz dazu eher Stärke ist, da er alleine versucht, seine psychischen Probleme zu bewältigen, was zum Männlichkeitskonzept des heroischen Kämpfers passt. Ken verstand unter „Männlichkeiten aufzeigen“ jedoch eher, das sich Auseinandersetzen mit den psychischen Problemen. Und so war auch er der Meinung, dass sich dominante Männlichkeiten in Kriegsfilmen aufzeigen lassen.

Das Gespräch mit Ken Duken war für mich sehr interessant und aufschlussreich für meine Sicht auf Kriegsfilme und der dargestellten Männlichkeit.


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