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"Humans at War" Abschlussbericht

Rubriken: "Humans at War"
09.09.2010, 10:58 Uhr

Hallo, da sind wir wieder!
Im dritten und damit letzten Webblog-Eintrag werden wir euch von dem Abschlussessen berichten, dass wir als Dankeschön für die Erzähler_innen des „Humans at War“-Projekts im Edith-Ruß-Haus veranstaltet haben. Außerdem gehen wir auf den Workshop „Repräsentation von Geschlecht im Zeitalter moderner Kriege“ ein, der im Rahmen unseres Seminars „Gender, Kultur und Gesellschaft“ in der Universität Oldenburg veranstaltet wurde. Als Abschluss resümieren wir unsere Erfahrungen und Erkenntnisse, die wir durch die Mitarbeit an dem Projekt gewonnen haben.


I. Das Abschlussessen
Am 20.6.2010 trafen wir uns mit Jan Blum, einem Mitarbeiter des Edith- Ruß- Hauses, zum Kochen. Mit diesem Essen wollte sich das Team um Nanna Lüth sich bei allen Erzähler_innen des Projektes für ihre Zeit und ihre Offenheit bedanken. Spannend war dabei, die Erzähler_innen der anderen Zeichengruppen kennen zu lernen. Teilgenommen haben unter anderem zwei Frauen aus dem Arbeitskreis Friedenswoche, drei Flüchtlinge aus Afghanistan, sowie ein Flüchtling aus der Elfenbeinküste. Nach dem Eintreffen der Gäste präsentierte Nanna Lüth mit unserer Unterstützung das Projekt Harrell Fletchers wie auch die gesamte Ausstellung. Auch Herr Johannes, den Lisa und Laura zuvor aus dem Altersheim Domicil abgeholt hatten, nahm teil. Er war von den Bildern, die zu seiner Geschichte gemalt wurden, begeistert und hat die Intention der Zeichner_innen auf Anhieb erkannt. Er war nicht nur von „Humans at War“, sondern auch von den anderen Projekten überzeugt. Aus den Betrachtungen entwickelten sich anregende Diskussionen. Anschließend wechselten wir in den Seminarraum des Edith- Ruß- Hauses, wo das Essen schon bereit stand. Jan Blum kochte ein veganes Chili und bereitete mit unserer Hilfe Couscous-Salat zu, alle waren begeistert. Beim folgenden Nachtisch mit Kaffee entwickelten sich weitere Gespräche in einem lockeren Stuhlkreis. Interessant war hier der interkulturelle Austausch zwischen den Beteiligten, bei dem es nicht nur um das Thema „Krieg“ ging, sondern auch um Freizeitgestaltung und gemeinsame Interessen.



II. Der Workshop „Repräsentation von Geschlecht im Zeitalter moderner Kriege“ 
Der Workshop war sehr spannend und hat uns viele neue Erkenntnisse vermittelt, sowohl inhaltlich als auch in Bezug auf den wissenschaftlichen Diskurs über Krieg und Geschlechterfragen. Im Folgenden wollen wir auf den letzten Redebeitrag von Nanna Lüth eingehen, da sie sich dabei auf unser Projekt bezieht. Wir hoffen, zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Blog einen Mitschnitt aus ihrem Vortrag veröffentlichen zu können. In ihrem Vortrag stellt Nanna Lüth den Künstler Harrell Fletcher, den Initiator des Projekts „Humans at War“, und die Umsetzung des Projekts in Wisconsin, Liverpool und Oldenburg vor. Dabei betont sie die unterschiedlichen Durchführungen des Projekts in Bezug auf die Zeichner_innengruppen. Während Harrell Fletcher das Projekt in Wisconsin mit Student_innen durchführte, waren in Liverpool Kinder die Zeichner_innen. Wir in Oldenburg haben uns für einen Mittelweg entschieden, indem wir Kinder und Student_innen angesprochen haben.



III. Fazit
Während der Durchführung dieses Projekts hat sich unsere Sichtweise auf das Thema „Krieg“ verändert. Bei der Suche nach Erzähler_innen standen wir vor großen Schwierigkeiten, da viele kriegserfahrene Menschen verständlicherweise zu sehr von Angst, Schmerz und Verlust geprägt sind. Sie tragen Erfahrungen mit sich, die tief verborgen sind und oft auch dort bleiben sollen, weil sie zu schmerzvoll oder traumatisierend sind. Andere wiederum betrachten ihre Kriegserlebnisse als nicht-außergewöhnlich, da sie „nur“ eine Person unter vielen sind, die diese Erfahrungen gemacht haben.

Kriegserfahrungen sind weit weg von den Diskursen, die Schüler_innen im Geschichtsunterricht kennen lernen. Es geht nicht um Richtig oder Falsch, um die Frage nach dem warum oder den ideologischen und politischen Umständen und deren Fragwürdigkeit. Heute, Jahrzehnte später, haben wir einen anderen, distanzierten und kritischen Blick auf die Geschehnisse. Der Zweite Weltkrieg, so schien es, löste unter den Soldaten, mit denen wir uns auseinander setzen, einen Zusammenhalt aus, der stark durch nationalsozialistische Ansichten und Einflüsse geprägt und forciert wurde. Auf der Suche nach Erzählenden sind wir auf Menschen gestoßen, die sich zwischen Opfer- und Täterdiskurs bewegen. Es steht der deutsche einem „verwerflichen“ Krieg folgende Wehrmachtsangehörige gegen den Menschen, der Verlust und Schmerz erlitten hat.

Wir wollen mit der Umsetzung von Fletchers Idee allerdings nicht versuchen zu werten, denn das ist nur schwer möglich. Immer wieder diskutieren wir über eine Verbindung zwischen Projektanalyse und neutraler Stellungnahme sowie Erläuterung des Projekts, um eine möglichst breit gefächerte Einsicht zu ermöglichen. Wir einigten uns jedoch darauf, keinerlei Wertung gegenüber Projekt und Erzähler_innen einzubringen, da uns dies einerseits nicht zu steht und andererseits nicht Teil unserer Idee der Projektverfolgung war. Wir wollen den Spuren der Kriege folgen, sie freilegen und uns mit ihnen auseinander setzen. Wir wollen verschiedene Menschen zusammenbringen und einen Austausch zwischen ihnen ermöglichen. Dabei sollen Erfahrungen zwischen Generationen und Kulturen weitergegeben werden. Die Bilder sind das Ergebnis dieses Austauschs, die Verarbeitung. Auch sie sollen nicht als Wertung sondern als Verstehensprozess fungieren.

In Bezug auf den Zweiten Weltkrieg und die Erfahrungen, an denen uns Herr Johannes teilhaben ließ, mussten auch wir eine eigene Position finden, was oft nicht leicht war. Genau wie sich der Erzählende zwischen Opfer- und Täterdiskurs bewegt, haben auch wir das getan. Jede_r von uns ist sich der Verbrechen des Dritten Reichs bewusst, jede_r von uns ist sich jedoch auch der manipulativen Fähigkeiten der Nationalsozialisten und deren Einfluss auf das deutsche Volk, so wie der nationalsozialistischen Ideologien bewusst, was aber keinesfalls als Entschuldigung für die begangenen und unterlassenen Taten dienen darf.
Bezieht man das gesamte Projekt in das Fazit ein, scheint Krieg weit weg, in anderen Ländern unter anderen Umständen stattzufinden. Doch er ist uns näher als wir es glauben. Obgleich das Thema „Krieg“ permanent durch die Medien auf uns einströmt und somit täglich präsent ist, hatten wir durch die Mitarbeit an dem Projekt einen viel intensiveren Bezug dazu. Durch die authentischen Berichte der Zeitzeugen, wurde ein komplettes Ausblenden der Thematik aus unserem Leben praktisch unmöglich. Insgesamt war es eine spannende, kreative und praxisorientierte Arbeit ganz im Zeichen hochaktueller Problematiken zum Thema und gleichnamigen Projekt „Humans at War“.



Anmerkungen: Alle Bilder aufgenommen von Lisa Merz und Stina Barrenscheen, 20.6.2010
Der Flyer wurde vom Edith-Ruß-Haus erstellt in Kooperation mit Katharina Hoffmann, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.


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