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Das Verhältnis der Mujeres Libres zur anarchistischen Bewegung

Rubriken: Mujeres Libres
04.08.2010, 11:36 Uhr

ein Beitrag von Steven Cobb und Hannes Jürgens

Obwohl die Mujeres Libres an sich selbst einen libertären Anspruch hatten und sich ganz klar der anarchistischen Bewegung zugehörig fühlten, basierte dieses Verhältnis nicht immer auf Gegenseitigkeit. Als erstes Erklärungsmuster für dieses Verhalten dient wahrscheinlich die männlich dominierte anarchistische Perspektive, dass mit der Revolution und der gesellschaftlichen Emanzipation von Staat und Kapital, auch die Emanzipation der Frau erreicht wird. Meiner Einschätzung nach zeigt sich dieses Verhältnis besonders prägnant – ohne den „allgemeinen“ Sexismus und die patriarchalen Strukturen in der anarchistischen Bewegung außen vorlassen zu wollen - an zwei Punkten, die wir exemplarisch darstellen wollen.

1.Keine offizielle Anerkennung der Mujeres Libres

Trotz der Unterstützung der Mujeres Libres durch die anarcho-syndikalistische CNT (Confederación Nacional del Trabajo) wurden diese nie offiziell anerkannt. Unterstützt wurden die Mujeres Libres vor allem durch finanzielle Hilfen, wobei es sehr schwierig nachzuvollziehen ist, in welchen Umfang dies geschah. Das ist wohl einerseits auf geschönte Zahlen aufgrund der anarchistischen Propaganda zurückzuführen, vorwiegend aber der politischen Repression und der Zerstörung vieler Quellen während der Franco-Diktatur geschuldet.
Neben der finanziellen Unterstützung hatten die Mujeres Libres die Möglichkeit, Büros, Veranstaltungen und Lehrkurse in den Räumlichkeiten der CNT einzurichten und durchzuführen. Desweiteren gab es auch Bestrebungen einzelner CNT Basisgruppen, für die Mujeres Libres zu werben. Nichts desto trotzt, erhielt die Gruppe Mujeres Libres auf dem Plenum der libertären Bewegung im Oktober 1938 keine offizielle Anerkennung.
Die Mujeres Libres hatten bereits zuvor einen Antrag gestellt, als unabhängiger vierter Zweig der anarchistischen Bewegung – neben der CNT, FAI (Federación Anarquista Ibérica, Iberische Anarchistische Föderation – militanter Arm der CNT) , und FIJL (Federación Ibérica de Juventudes Libertarias – Iberische anarchistische Jugendorganisation) – offiziell anerkannt zu werden. Am letzten Tag des 14 tägigen Plenums wurden dann einigen Delegierten der Mujeres Libres ermöglicht, den Aufnahmeantrag und ihre Arbeit vorzustellen. Die Ablehnung wurde damit begründet, dass obwohl die Gruppe bereits seit mehreren Jahren kontinuierlich politische Arbeit leistete, ihr diese Arbeit nicht zugetraut wurde, da es ihnen an Erfahrungen fehlte. Bemerkenswert dabei ist, dass „[...] viele[n] Männer[n] in der anarchistischen Bewegung zunächst ohne Erfahrungen – im politischen als auch im Frontkampf - […] das >> learning-by-doing << zugetraut wurde.“ (Bianchi 2003: 86), den Frauen allerdings nicht. Ohne dieses Vorgehen beschönigen zu wollen, muss jedoch auch die Befürchtung der anarchistischen Bewegung, die Mujeres Libres würden ihnen die Mitstreiterinnen abtrünnig machen, genannt werden. Parallel zu diesen Befürchtungen muss erwähnt werden, dass die anarchistische Bewegung sich zum Zeitpunkt des Antrags auf offizielle Anerkennung in einem Umstrukturierungsprozess befand. Aus dem eher losen Verbund der CNT, FAI und FIJL sollte eine einheitliche und größere Bewegung, die MLE (Moviemento Libertario Espanol, Spanische Libertäre Bewegung) entstehen.


2.Der Abzug der Kämpfenden Frauen von der Front

Ende 1936 Anfang 1937 kam es zu einer Umstrukturierung der kämpfenden Einheiten. Die vermeintlich unorganisierten republikanischen Milizen wurden in eine reguläre Volksarmee umgewandelt. Einhergehend mit dieser Militarisierung kam die Verdrängung der Frauen von der Front, bzw. von den Waffen. Obwohl Frauen bereits erfolgreich mit Männern zusammen gekämpft hatten, wurde der Ausschluss der Frauen argumentativ auf fast die selbe Weise begründet, wie zwei Jahre später die Mujeres Libres die offizielle Anerkennung verweigert wurde.
An diesem Punkt eine reine Kritik an der anarchistischen Bewegung und ihrem Verhältnis zu kämpfenden Frauen zu Formulieren wäre verkürzt. Das liegt vor allem daran, dass die Umstrukturierung der Milizen vor allem auf kommunistische Intervention zurückzuführen ist. Das die kommunistische Strömungen in diesem Punkt die Hoheitsgewalt hatte, lag einfach an der Tatsache, dass alle Waffenlieferungen, auf welche die antifaschistische Allianz angewiesen waren, fast ausschließlich aus der Sowjetunion stammten und auch lediglich an die kommunistische UGT (Unión General de Trabajadores) ausgehändigt wurden. Es wird somit schwierig, in diesem Punkt der CNT, die nach wie vor sehr großen Einfluss auf die Entwicklungen im spanischen Bürgerkrieg hatte, eine konterrevolutionäre Intention zu unterstellen, lässt jedoch, vor allem im Bezug auf den ersten Punkt, viele Fragen und Diskussionsmöglichkeiten offen.
Zu benennen bleibt, dass selbst die Mujeres Libres sich in diesem Punkt eher pragmatisch als ideologisch emanzipatorisch Verhalten haben. „Für die Mujeres Libres wurde die Kriegshilfe immer wichtiger; um den Krieg zu gewinnen, stellten sie dabei ihre eigenen Wünsche zurück und nahmen sich trotz ihrer feministischen Einstellungen vor allem der traditionell weiblichen Aufgaben an.“ (Bianchi 2003: 70) So organisierten die Mujeres Libres nach der Umstrukturierung Kolonnen für die Frontunterstützung, wuschen die Wäsche der Soldaten, kochten für diese und übernahmen medizinische Aufgaben.




Politische Repression nach 1939

Nacht der Machtübernahme Francos 1939 wurden die Republikaner_innen von einer Welle der Repression, bestehend aus Gefängnis und Exekution, überrollt. Auf die Gefahr hin, durch das hervorheben der Mujeres Libres das Leid der anderen Betroffenen zu bagatellisieren werde ich in diesem Teil nicht explizit auf die Mujeres, sondern die der antifaschistischen Frauen im Allgemeinen eingehen. Es ist dabei sehr schwierig, die konkreten Ausmaße der Repression zu erfassen. Das liegt vor allem daran, dass zwar nach Francos Tod 1975 Spanien offiziell wieder in eine Demokratie umgewandelt wurde, jedoch unter der Voraussetzung einer Generalamnestie für alle Verbrechen, die in der Franco-Diktatur stattfanden. Diese Generalamnestie hat auch heute noch Bestand und stellt sogar den Versuch, diese Verbrechen aufzudecken unter Strafe.
Sowohl Männer als auch Frauen waren in den Gefängnissen unglaublicher Brutalität und unzureichenden hygienischen Bedingungen ausgesetzt. Der wesentlichste Unterschied zu inhaftierten Männer war die sexualisierte Gewalt denen die Frauen ausgesetzt waren. Unabhängig vom Alter wurden alle Frauen als „Rote Huren“ bezeichnet und waren täglich Vergewaltigungen ausgesetzt.

„Rape was daily fare; the abuse of power by men against women under those circumstances acquired dramatic proportions. The so-called 'reds' were less than nothing to the macho fascists. The rape of female prisoners had nothing to do with sexual desire; it was simply an act of power, humiliation, sadism.“ (Dona 1991:186)

Trotzt dieser Umstände organisierten sich in manchen Gefängnissen die Frauen. Sie bildeten kommunistische Zellen, gaben sich gegenseitig Unterricht und halfen sich bei dem was in ihrer Möglichkeit war.



Literatur:

Bianchi, Vera 2003: Feministinnen in der Revolution. Die Gruppe Mujeres Libres im Spanischen Bürger Krieg. Münster: Unrast – Verlag.

Dona, Juana 1991: In: Shirley Mangini: Memories of Resistance. Female Aktivists from the Spanisch Civil War. In: Sings. Journal of Women ind Culture and Society. Vol. 17, Nr. 1., S. 171-186


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