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Kriegsfilme als ein Teil der Massenkultur?

Rubriken: Kriegsfilme
19.07.2010, 15:04 Uhr


ein Beitrag von Greta Matthias und Anastasia Kamschilow

Wir haben uns verschiedene Filme angeschaut und sie nach dem Gesichtspunkt "Geschlechterkonstruktionen" untersucht. Eine Auswahl zu treffen war schwer, doch haben wir versucht eine gewisse Repräsentativität zu erlangen: zwei Filme mit dem Bezug zum Vietnamkrieg („Apocalypse Now“ und „Platoon“, zwei Filme mit dem Bezug zum zweiten Weltkrieg („Flags Of Our Fathers“, und „Letters From Iwo Jima“, ein Film, der sich mit Holocaust beschäftigt („Der Pianist“) und ein Film mit einem aktuellen Bezug zum Irakkrieg („The Hurt Locker“).
Zusammenfassend kann man anmerken, dass in den oben genannten Filmen Männer und Männlichkeiten fokussiert werden, Frauen und Weiblichkeiten haben eine untergeordnete Rolle. Sie agieren meistens bloß als Nebenfiguren. Wie in unserem letzten Blogeintrag aufgeführt, agieren Frauen in Kriegsfilmen, ob gegnerische oder die der eigenen Nationalität angehörige, eher passiv als Daheimgebliebene oder eben jene, die den Männern Unterhaltung im Kriegsgeschehen bieten, siehe dazu „Apocalypse Now“ (vgl. Klein u. a. 2006, S. 16 f.).
Unsere Eingangsthese, Krieg sei ein Teil der Massenkultur, haben wir damit aber noch nicht überprüft. Woran kann man dies festmachen? Wir haben uns das Angebot an Kriegsfilmen in zwei Oldenburger Videotheken angeschaut (siehe letzter Eintrag) und versucht dieses bezüglich unserer Fragestellung auszuwerten. Demnach genießen Kriegsfilme keine besondere Popularität und werden eher weniger ausgeliehen. Unsere Recherchen zu dem Angebot in Kinos ergaben, dass aktuell keine Kriegsfilme in Kinos gezeigt werden.
Es muss dazu erwähnt werden, dass unsere Untersuchungen keinesfall repräsentativ für alle Videotheken oder für das Kinoangebot an Kriegsfilmen generell sind, wir konnten nur einen kleinen Zeitraum beobachten. Fast alle Filme, die in Videotheken angeboten werden, liefen auch im Kino, tendenziell überwiegt das Angebot der anderen Genres wie Komödie oder Actionfilm sowohl im Kino, als auch in Videotheken. Unsere Befunde stützen sich auf die Aussagen der MitarbeiterInnen, diese konnten aber keine Auskunft über genaue Zahlen der Ausleihfrequenz von Kriegsfilmen geben. Problematisch ist auch die Definition vom Genre Kriegsfilm, da jede/r Mitarbeiter/in ein eigenes Konzept davon hat.
Was sich jedoch anhand unserer Untersuchungen und Literaturrecherchen sagen lässt ist, dass Kriegsfilme ab den 60er Jahren, kein Geld mehr in die Kassen brachten (vgl. Klein u. a. 2006, S. 23). Die durch die Filme geprägte mediale Kriegspropaganda wurde von den Zuschauern nicht mehr angenommen. Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre sorgten Filme wie „Apocalypse Now“ oder „Platoon“ für neues Ansehen, indem sie die traumatische Thematik des Vietnamkrieges aufarbeiteten und eindeutige Kritik am Kriegsgeschehen übten. Das US-Militär unterstützte jedoch diese sogenannten „Antikriegsfilme“ nicht. Durch den technischen Fortschritt und die damit verbundenen neuen Ansprüche der Menschen wurden die Kriegsfilme in den 90er Jahren dementsprechend weiterentwickelt. Special Effects, digitale Filmtechnik und schnelle Schnitte dominieren (auch heute noch) auf den Leinwänden. Diese Filme begründen zwar eine neue Ästhetik, es mangelt ihnen jedoch häufig an inhaltlicher Qualität. Diese US-amerikanischen Kriegsfilme haben zudem häufig eine recht patriotische Ideologie, die vom Militär als PR-Strategie genutzt werden. Der Protagonist des Kriegsfilms „Tränen der Sonne“ (USA 2003), Bruce Willis rief bei einem Besuch der amerikanischen Truppen im Irak, zur Ergreifung Saddam Husseins auf und bat um „nur 4 Sekunden“ mit dem Ex-Diktator um ihm „zu zeigen wo es lang geht“. Anhand dieses Beispiels lässt sich erkenne, wie sehr die Grenzen zwischen Film und Realität verschwimmen.
Die Filme die sich mit dem zweiten Weltkrieg und der damit verbundenen Holocaust-Thematik beschäftigen nahmen im Laufe der Zeit zu. (Früher waren die Menschen weniger bereit sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen, aber auch dabei handelt es sich um ein Trauma –ähnlich wie Vietnam- das es zu überwinden gilt und mit dem man sich intensiv auseinandersetzen sollte, damit ähnliches nicht noch einmal passieren kann.)
Diese angeführten Beispiele zeigen, dass Kriegsfilme wohl doch als ein Bestandteil der Massenkultur bezeichnet werden kann. Die Filme, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen richten sich nach den Wünschen der Zuschauer. Wird ein Format (z. B. klassischer Kriegsfilm, Antikriegsfilm) nicht mehr von den Menschen angenommen, muss ein neues entwickelt werden. Die Filmindustrie richtet sich also durchaus nach den Vorstellungen der ZuschauerInnen. Und diese wiederum verlangen nach immer neuen Effekten. Dies führt zu einer Art Wechselwirkung zwischen Filmindustrie und Publikum.
Auch wenn Kriegsfilme, unseren Recherchen (wie den Besuchen der Videotheken und der Darstellung des weltweiten Einspielergebnisses) entsprechend, nicht immer zu der populärsten Filmgattung gehören, kann man sie im Großen und Ganzen doch als einen Teil der Massenkultur bezeichnen.


Wie definieren wir einen Kriegsfilm?

Es gibt verschiedene Filmarten, die wir zum Genre „Kriegsfilm“ zählen. Dazu gehören fiktive Filme, ebenso wie Dokumentationen (auch wenn wir keine in unsere Untersuchungen eingebunden haben). Wichtig dabei ist, dass der Film thematisch einen Bezug zu einem realen Kriegsgeschehen hat, somit definieren wir auch Holocaustfilme als Kriegsfilme, da sie ein großes Verbrechen des zweiten Weltkrieges darstellen.
Filme, die zwar kriegerische Sequenzen zeigen, aber von keinem realen Krieg erzählen, haben wir nicht als Kriegsfilm definiert.
In der Zusammenstellung „Filmgenres Kriegsfilm“ von Thomas Koebner wird die Geburtsstunde des Genres Kriegsfilm mit dem Ersten Weltkrieg gesetzt, da seit diesem Krieg die Technologie eine “filmische Reflexion […] moderner Kriege“ (Klein u. a. 2006, S. 10) erlaubte.
Im Laufe der Filmgeschichte hat sich außerdem ein anderes Genre entwickelt: Der Antikriegsfilm, zu dem „Apocalypse Now“ und „Platoon“ gezählt werden. Der Antikriegsfilm wird darüber definiert, dass er zwar im Kontext eines realen Krieges spielt, seine Darstellung aber eine Kritik am Krieg beinhaltet, wobei es strittig ist ob es den Antikriegsfilm überhaupt geben kann. (vgl. Deutsche Enzyklopädie, Online Lexikon).



Literatur

Thomas Klein/Marcus Stiglegger/Bodo Traber: Filmgenres Kriegsfilm, Phillip Reclam jun., Stuttgart 2006
Tom Holert/ Mark Terkessidis: Entsichert. Krieg als Massenkultur im 21. Jahrhundert, Kiepenheuer&Witsch, Köln 2002
Peter V. Brinkemper: Intensiv-Bebilderung zwischen Hollywood und Bagdad? Zum aktuellen Verhältnis von Film, Medien und Krieg, www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/kino/14635/1.html
Peter V. Brinkemper: Was, zur Hölle, ist ein Antikriegsfilm? Die Gladiatoren von Mogadischu: Ridley Scotts imperialistischer Rettungsschocker "Black Hawk Down", www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/kino/13454/1.html
http://www.calsky.com/lexikon/de/txt/k/kr/kriegsfilm.php





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