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Želimir Žilnik: Shadow Citizens

19. April 2018 - 17. Juni 2018
Eröffnung: 18. April 2018, 19:00 Uhr
Pressegespräch: 17. April 2018, 11:00 Uhr

   

Želimir Žilnik: Shadow Citizens

Soloausstellung vom 19. April bis 17. Juni 2018 im Edith-Russ-Haus, Oldenburg

 

Kuratiert von What, How & for Whom/WHW


Die Ausstellung Shadow Citizens bietet Einblicke in die radikale filmische Praxis und das umfangreiche Werk des Filmemachers Želimir Žilnik (geb. 1942, lebt in Novi Sad, Serbien). Seit seinen Anfängen in der lebendigen jugoslawischen Amateurfilmszene der 1960er-Jahre hat Žilnik über fünfzig Filme gemacht, darunter mehrere Spielfilme und Fernsehproduktionen, viele davon im Genre des Doku-Dramas. Žilnik fand frühzeitig internationale Anerkennung und erhielt für Early Works auf der Berlinale 1969 den Goldenen Bären für den besten Film. In den 1970er-Jahren stießen seine Filme auf Ablehnung des politischen Establishments, sodass er Jugoslawien verließ und in die Bundesrepublik Deutschland ging, wo er mehrere Independent-Filme realisierte, darunter einige der ersten, die sich mit dem Thema der sogenannten „Gastarbeiter“ beschäftigten. In den 1980er-Jahren verließ er Deutschland, da seine Filme auch dort auf politische Ablehnung stießen und zensiert wurden, und kehrte nach Jugoslawien zurück. Dort drehte er in den 1980er-Jahren zahlreiche Fernseh- und Spielfilme, in denen er die ersten Symptome der wachsenden gesellschaftlichen Konflikte des Landes aufzeigte. Seine Filme der 1990er-Jahre beschäftigten sich mit den Missständen der postsozialistischen Transformation und Fragen der Migration.

 

Želimir Žilnik movie "Early Works", 1969, photo: Andrej Popović


Viele von Žilniks Filmen haben in ihrer Thematik reale Ereignisse prophetisch angekündigt, darunter die Auflösung Jugoslawiens, den Umbruch der Wirtschaft vom Sozialismus zu einer neoliberalen Ordnung, die Aufhebung von Arbeitnehmerrechten und allgemeine gesellschaftliche Erosionsprozesse, die mit Fragen von Arbeit und Migration zusammenhängen. Der Ausstellungstitel Shadow Citizens verweist auf Žilniks lebenslange Beschäftigung mit den unsichtbaren, unter- und misrepräsentierten sowie unterdrückten Mitgliedern der Gesellschaft. Das Konzept der „shadow citizens“ (Schattenbürger) bezieht sich auf eine Form des politischen Engagements in der „Amateurpolitik“, auf fantasievolles, subversives, nicht-normatives Wissen und auf alternative Sensibilitäten, die in jeder Gesellschaft brachliegen und sich manchmal sichtbar gegen die gewohnte Politik auflehnen. Dem Urbanisten Andy Merrifield zufolge sind Amateur- und professionelle Politik in Wirklichkeit „politische Bereiche, die man hinterfragen und in Bewegung bringen kann“ wie tektonische Platten. Žilniks Filme sind in konzeptueller wie methodischer Hinsicht von einen mutigen Amateurismus gekennzeichnet, und so beschäftigt sich die Ausstellung eingehend mit den vielfältigen Potentialen der „shadow citizens“ und mit dem Druck, den die „Unterströmung“ der Amateure gegen den Mainstream in der emanzipatorischen Politik wie in der Kunstproduktion ausüben kann.

 

Die Ausstellung umfasst Žilniks fünfzigjährige Laufbahn; im Mittelpunkt stehen mehrere seiner Langfilme, ergänzt um zahlreiche Kurzfilme und Ausschnitte aus längeren Arbeiten. Diese sind nach Themen geordnet, die sich durch Žilniks Werk hindurchziehen und mit dem Begriff „Schattenbürger“ zusammenhängen, wie etwa Fragen der Schattenwirtschaft, Grenzen, Migration, Arbeit, Terrorismus, revolutionäre Erschöpfung oder die Konflikte zwischen parallel verlaufenden Modernen. Jede Themengruppe der Ausstellung beschäftigt sich mit strukturellen Aspekten, die Žilnik frühzeitig als entscheidende Faktoren des gesellschaftlichen Wandels erkannte und die ein Licht auf heutige gesellschaftliche und politische Dringlichkeiten werfen. Zugleich untersucht die Ausstellung Žilniks besondere Methode des Filmemachens in unterschiedlichen Produktionszusammenhängen und die Entwicklung seiner Beziehungen zu den Protagonist*innen seiner Filme, von denen viele in mehr als einem Werk auftreten. Die Beziehungen zu und zwischen seinen Darsteller*innen stehen im Mittelpunkt von Among the People: Life and Acting (2018), einer neuer Auftragsarbeit, die für diese Ausstellung entstand und viele von ihnen nach Jahren wieder zusammenbringt, um über Žilniks Filme und deren Einfluss auf ihr individuelles und gemeinsames Leben zu sprechen.

 

Der Begriff „Schattenbürger“, konzipiert als Bezeichnung für verschiedene Minderheiten, die überall zunehmend zu Mehrheiten werden, zieht sich durch Žilniks Œuvre und wird darin als Möglichkeit begriffen, eine neue Vorstellung von Staatsbürgerschaft zu entwickeln, die gegenwärtige Grenzen erweitert.

 

Als Teil der Ausstellung werden über zwanzig Filme Žilniks unter www.zilnikzelimir.net online zu sehen sein. Viele davon werden nur selten im Kino gezeigt, und alle werden in diesem Umfang erstmals online verfügbar sein. Die Filme zeigen verschiedene Phasen und Arbeitsbedingungen in Žilniks Praxis. Sie sind in fünf Gruppen geordnet, von denen jede während der Ausstellung für einen begrenzten Zeitraum gesichtet werden kann. Das erste Online-Filmscreening-Programm beginnt am 22. April; weitere Termine werden auf der Website angekündigt. Die Website wurde ursprünglich 2009 im Rahmen des von Kuda.org organisierten Projekts For an Idea – Against the Status Quo veröffentlicht. Sie wird für diese Ausstellung umfassend aktualisiert und ist auch eine wertvolle Quelle für Texte zahlreicher Kritiker*innen und Kolleg*innen zu Žilniks Werk.–WHW 

Während des Filmprogramms am Eröffnungswochenende (20./21. April) im Kino Cine k wird Želimir Žilnik anwesend sein.

 

Die Ausstellung Shadow Citizens geht im November 2018 an die Galerija Nova in Zagreb. Eine Publikation mit neuen Beiträgen zu Želimir Žilniks Werken von Kurator*innen und Filmwissenschaftler*innen erscheint im Herbst 2018.

 

Shadow Citizens wird gefördert von der Kulturstiftung des Bundes, vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und von der EWE-Stiftung.

Kuratorinnen: What, How & for Whom/WHW (Ivet Ćurlin, Ana Dević, Nataša Ilić, Sabina Sabolović)


Gefördert durch

Edith-Russ-Haus für Medienkunst, Katharinenstraße 23, D-26121 Oldenburg, Tel.: +49(0)441/235-3208, Fax.: +49(0)441/235-2161
Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 14 - 18 Uhr, Samstag - Sonntag 11 - 18 Uhr, Montag geschlossen info@edith-russ-haus.de
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