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Guy Ben-Ner

Flying Lessons
28. November 2009 - 14. Februar 2010
Eröffnung: 27. November 2009, 20:00 Uhr
Pressegespräch: 26. November 2009, 14:00 Uhr
If only it was as easy to banish hunger by rubbing your belly as it is to masturbate, 2009, HD-Video, Still Flugzeug, © Guy Ben-Ner 2009
If only it was as easy to banish hunger by rubbing your belly as it is to masturbate
, 2009, HD-Video, Still Flugzeug, © Guy Ben-Ner 2009


In seiner ersten Einzelausstellung in Deutschland werden im Edith-Russ-Haus für Medienkunst Videoarbeiten des aus Israel stammenden Künstlers Guy Ben-Ner mit ihrer großen Themenvielfalt seit 1999 präsentiert.

Im Mittelpunkt sämtlicher Filme steht der Künstler selbst, der sich und seine Rolle als Autor/Regisseur der Arbeiten und als Mann und Familienvater in Szene setzt.

Berkeley´s Island, 1999, Video, 15 min., Still Feuer, © Guy Ben-Ner 1999
Berkeley´s Island, 1999, Video, 15 min.,
Still Feuer, © Guy Ben-Ner 1999


Die Filme Berkeley´s Island, 1999, und Moby Dick, 2000 sind in der heimischen Küche gedreht. Seine Kinder werden in diesen und späteren Werken einbezogen und auch seine Frau spielt gelegentlich die Rolle der Frau und Mutter.

Denn alle Inszenierungen des Künstlers und seiner Familie erweisen sich selbst in scheinbar spontanen, dokumentarischen Momenten als künstlich konstruierte Darstellungen. Darauf verweisen nicht zuletzt die vielfältigen Bezüge zu Filmklassikern und vor allem zu wichtigen literarischen Werken.


Moby Dick, 2000, Video, 12:35 min., Still Huhn, © Guy Ben-Ner 2000
Moby Dick, 2000, Video, 12:35 min.,
Still Huhn, © Guy Ben-Ner 2000


So sehr Ben-Ner mit Berkeley´s Island (als Zitat von Robinson Crusoe) und Moby Dick das Klischee des männlichen Abenteurers in seiner modernen Welt und Rolle als Familienvater zu suchen scheint, so deutlich werden sämtliche Rollenvorstellungen ironisiert.

Stealing Beauty, 2007, Video, 17:40 min., Videostill, © Guy Ben-Ner 2007
Stealing Beauty, 2007, Video, 17:40 min.,
Videostill, © Guy Ben-Ner 2007


Ben-Ners Filme entwickeln sich um witzige Settings wie die Arbeit Stealing Beauty, 2007, für die sich die gesamte Familie heimlich in verschiedenen Ikea-Märkten häuslich niedergelassen hat. Der Humor der Filme verstärkt aber nur die komplexen und ernsten Themen. Bei Stealing Beauty bleibt den Betrachtern, die in großer Zahl sicherlich auch Ikea-Kunden sind, das Lachen im Halse stecken, wenn der Künstler, seine Frau und die beiden Kinder ein Loblied auf einen egoistischen und überzogenen Materialismus inszenieren, der den Wert eines Menschen alleine an seinem Besitz festmacht.

Second Nature, 2007, Video, 17:20 min., Still Vogeltrainerin, © Guy Ben-Ner 2008
Second Nature, 2008, Video, 17:20 min.,
Still Vogeltrainerin, © Guy Ben-Ner 2008


Auch die drei jüngsten Filme enthalten witzige bis ironische Adaptionen und Interpretationen literarischer Vorbilder. Second Nature, 2008, ist eine Dokumentation der direkten Umsetzung von Jean de La Fontaines Fabel Der Rabe und der Fuchs mit zwei Tiertrainern und ihren entsprechenden Tieren, die sich im Laufe des Films zu einer Inszenierung von Becketts Warten auf Godot wandelt, bis schließlich die Fabel durch die Tiere tatsächlich nachgespielt wird. Ben-Ner macht nicht nur die Entstehung des Films zu dessen Thema, sondern präsentiert sich selbst auch in der Rolle des gottgleichen Regisseurs.
Die immer komplexere Vermischung von Konzept, Ausführung und Inhalt des jeweiligen Films wird in If only it was as easy to banish hunger by rubbing the belly as it is to masturbate, 2009, noch gesteigert. Ben-Ner und sein Filmpartner zitieren oder adaptieren in einer absurden Form von Roadmovie literarische Vorlagen wie Don Quijote, Der kleine Prinz, Alice hinter den Spiegeln, In achtzig Tagen um die Welt, Warten auf Godot und die Göttliche Komödie. Gleichzeitig sind beide in ihren Funktionen als Künstler und Auftraggeber des Werks zu sehen und die Geschichte des Films entwickelt sich teilweise als Parallelerzählung.

Für sein neuestes Werk Drop the Monkey, 2009, begibt sich der Künstler schließlich sogar in einen Dialog mit sich selbst, den er zwischen seinem Ich in Berlin und seinem Ich in Tel Aviv führt, der nicht nur um die Produktionsbedingungen dieses Films kreist, sondern tatsächlich im Dialog wechselnd zwischen beiden Städten gefilmt wurde. Ben-Ner erschafft auf diese Weise ein eigenes Genre, die Filmperformance. Im Kern aber reflektiert er wiederum über seine Identität als Künstler und Autor und die Grenze zwischen Kunst und Leben, die er permanent zu überschreiten scheint – auch wenn dieser Schritt nur inszenierter Teil seines Werks ist.

Veranstaltungen

25. Januar 2010, 09:00 Uhr
Big Sister is watching you. Foto- und Videopraxis für Erzieher_innen
Fortbildung in Kooperation mit Kindergartenarbeit e.V. der ev.-luth. Kirche Oldenburg

Edith-Russ-Haus für Medienkunst, Katharinenstraße 23, D-26121 Oldenburg, Tel.: +49(0)441/235-3208, Fax.: +49(0)441/235-2161
Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 14 - 18 Uhr, Samstag - Sonntag 11 - 18 Uhr, Montag geschlossen info@edith-russ-haus.de
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