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Valie Export: Metanoia oder eine andere Sicht der Dinge

14. Januar 2001 - 25. Februar 2001

Ausstellung im Oldenburger Kunstverein und Edith-Russ-Haus für Medienkunst

Der Schrei, 1994

Der Schrei, 1994

Laserprojektion tibetanischer Schriftzeichen auf eine schwarze Ölfläche in einem Metallbecken als Schreib-Fläche, zwei Videoprojektionen. Als akustische Installation glossolalischer Sprachausdruck, glottale Laute. 

Der Schrei

Laser-Schriftbild-Text: Aufzeichnungen tibetanischer Nonnen und Mönche. Seit der Besetzung des unabhängigen Tibets 1950 durch die Chinesen sind mehr als eine Million Menschen gefoltert, hingerichtet, ermordet worden, weil diese Menschen an Demonstrationen gegen die Chinesen teilgenommen haben.

Die projizierten Texte sind Aufzeichnungen, die unter Lebensgefahr aus den Klöstern und aus dem Land geschmuggelt wurden.
Eine Strophe des Gedichtes:

A song from Prison
"Ich denke in diesen Tagen gibt es sicher
In keinem Land, nirgendwo, einen Mann,
der größeres Glück hat als ich.
Auch wenn meine Bezeichnung Gefangener ist, bin ich ein Praktizierender.
Auch wenn dieser Ort Gefängnis genannt wird, ist er ein Klausurhaus."
Geshde Jhampa Khedup
(Übersetzt von Gonsar Tulku und Martin Willson at Tharpa Choeling, 1981)


Videoprojektionen:
Rechte Projektion: LARYNX – GLOTTIS
Video, 1968/92, Ton (Glottale Laute)
Das Video zeigt die Stimmritze und die Kehle von VALIE EXPORT beim Sprechen glottaler Laute, aufgenommen mit einem Laryngoskop.
(Die Idee, die Stimmritze beim Ausdruck verschiedener Phoneme in bewegten Bildern zu zeigen, stammt aus 1968, als Teil meiner Untersuchung zu Sprach- und Sprechbildern.)

Linke Projektion: SPRECHEN, Video, 1992, Ton (Glossolalie, psychotisches Sprechen, Aufnahme aus Krankenstationen).
Videobild. Tonfrequenzen werden visualisiert, Oszillograph für Audio.

(Ausschnitt aus dem Videoessay "Das Unsagbare Sagen" mit I. Wiener und O. Wiener)

"Psychotisches Sprechen ist antisozial, weil es die normierten Denk- und Sprechzusammenhänge, die eine Gesellschaft für ihre Kommunikation braucht, auflockert, auflöst, in Frage stellt.
Deshalb ist das Sprechen des Psychotikers als solches vom öffentlichen Diskurs ausgeschlossen.
Vollzugsorgane des gesellschaftlichen Auftrags sind die Entrechtungsverfahren, der Polizeiapparat und die Psychatrie.
Unter der Begründung des Schutzes wird dem Psychotiker, der Psychotikerin, die Artikulation im öffentlichen Bereich verwehrt.
In diesem Schutz zeigt sich aber gleichzeitig die Isolierung, die Ausschließung und Absonderung. In seiner Rede, in ihrer Rede, ist der Diskurs des Psychotikers, der Psychotikerin ausgeschlossen, außer sie wird in eine andere Bedeutung getragen, in eine mythische Form gebracht."

VALIE EXPORT (1992)

Expanded Cinema

"Expanded Cinema, in den sechziger Jahren ein Teilbereich der Expanded Arts-Bewegung, die durch multimediale Events und Happenings gekennzeichnet war, war für VALIE EXPORT das früheste Medium für experimentelle Arbeiten. Damals war es durchaus üblich, Kunst durch Entsprechungen und Cross-overs zwischen verschiedenen Disziplinen, Gattungen und Genres zu definieren. Verbunden mit diesem Drang zur Aufhebung von Grenzen war die von der klassischen Avantgarde Anfang unseres Jahrhunderts eingeleitete allgemeine Tendenz, alle dem Kunstbegriff und der Praxis in der Kunst auferlegten Beschränkungen zu durchbrechen. ... Im Rahmen dieser intertextuellen Erweiterung bevorzugt EXPORT Materialität und Körper. Dies findet auf verschiedene Arten Ausdruck, sei es durch die Untersuchung des Filmmaterials (Leinwand, Projektor, etc.) und allenfalls durch dessen Austausch gegen andere analoge Prozesse und Materialien, sei es dadurch, daß die Beziehung zwischen Film und Akteur/Publikum im Sinne der Interaktion/Rezeption in den Mittelpunkt gestellt wird."

Roswitha Mueller, "VALIE EXPORT´s experimentelle Kunst", in: "VALIE EXPORT", Oö. Landesgalerie, Linz 1992


Ping Pong, 1968/92/96

Ping Pong, 1968/92/96
Ein Film zum Spielen – Ein Spielfilm

Videoinstallationen, Video (s/w), Konzept, Tischtennisschläger und Bälle

Ping Pong


"PING PONG besteht aus einem pingpong-schläger, einem ball und einem musterfilm. auch hier entsteht die filmaktion durch die neue funktion der leinwand. auf der leinwand wird ein punkt projiziert, der immer irgendwo kurz auftaucht. der akteur/benutzer des films hat mit dem ball diesen punkt zu treffen. die fernsehversion eignet sich vorzüglich für morgenstunden/frühsport. punkte erscheinen springend auf dem tv-schirm, mit denen der tv-akteur/der morgengymnastiker ping pong zu spielen hat. diese filmaktion expliziert das herrschaftsverhältnis zwischen produzent (regisseur) und konsument (zuschauer). was hier das auge dem hirn erzählt, ist anlaß zu motorischen reflexen und reaktionen. zuschauer und leinwand sind partner eines spieles, dessen regeln der regisseur diktiert." (V. EXPORT))

Preis: 2. Maraisiade "junger Film 68", Wien, als politischster Film des Festivals


Facing a Family TV-Aktion, 1971

Facing a Family TV-Aktion, 1971

s/w Fotos, Konzepte, s/w Video (20 min.) Programm unsichtbar, Schirm imaginär, beide Familien sehen sich an 

Facing a family

"zwei familien sitzen sich gegenüber, eine im tv-apparat, die andere in der wohnung. zu sehen ist nicht das programm, weil der schirm, auf den eine familie schaut auch der schirm der anderen ist (spezifikation leinwand aufs tv übertragen), sondern die reaktion auf das programm. diese reaktion ist aber wiederum dieselbe im publikum, weil die reaktion dieser familie auch/dennoch ein programm für die andere familie ist. das ganze dauert etwa 5-20 minuten. fernsehen in der familie, familie im fernsehen." (V. EXPORT)


Realisiert vom ORF für die Fernsehsendung "Kontakte", ausgestrahlt im ORF am 29.2.1971

Edith-Russ-Haus für Medienkunst, Katharinenstraße 23, D-26121 Oldenburg, Tel.: +49(0)441/235-3208, Fax.: +49(0)441/235-2161
Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 14 - 18 Uhr, Samstag - Sonntag 11 - 18 Uhr, Montag geschlossen info@edith-russ-haus.de
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