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Sichtbarkeiten_Zwischen Fakten und Fiktionen

21. Januar 2006 - 19. März 2006
Eröffnung: 20. Januar 2006, 20:00 Uhr
Pressegespräch: 19. Januar 2006, 14:00 Uhr
In einer Gesellschaft, in der Realität vor allem über die Kanäle der Massenmedien vermittelt wird und deren digital produzierte Bilder von Computern analysiert und interpretiert werden, stellt sich die Frage, wie sich heute zwischen Fakten und Fiktionen noch unterscheiden lässt. Unsere Wahrnehmung orientiert sich zuerst am medial vermittelten Bild. Mediale Erfahrung gilt als die Norm aller ästhetischen Erfahrung, es gibt kein 'jenseits der Medien'. Die Bilder der Medienwelt konstruieren Realität und somit ist auch Identität heute zunehmend medial gebunden. Ein Ereignis scheint erst durch die Übertragung in Fernsehen oder Internet zum 'realen' Ereignis zu werden und der Medientheoretiker Jean Baudrillard spricht davon, dass der Zugang zu einer wie auch immer gearteten konkret erfahrbaren Wirklichkeit im Zeitalter elektronischer Massenmedien verloren ist.
Digitale Technologien sind ein Teil unseres Alltags geworden und beeinflussen unser Handeln und Sein. Wir sind konfrontiert mit einer Evolution von Wahrnehmungs-möglichkeiten in Raum und Zeit, die fundamental mit der elektronischen Informations-technologie verbunden sind. Jonathan Crary beschreibt in seinem Buch "Techniken des Betrachters" (1996) die Abstraktion des Visuellen, die Veränderung unserer Wahrnehmung durch computergesteuertes Sehen und verweist darauf, dass neue Techniken der Bild-produktion zu dominanten Visualisierungsmodellen wurden. Wir stehen als Betrachter der Welt nicht distanziert gegenüber, sondern sind ein Teil des Systems, Teil der globalen Netzwerkstrukturen. Persönliche Erfahrungen finden nicht mehr nur im materiellen Realraum statt, sondern auch in der abstrakten Welt der elektronischen Netzwerke. In ihnen bilden sich neue soziale Kommunikationsstrukturen aus, die eine demokratische Mitbestimmung vieler an gesellschaftlichen Prozessen ermöglichen. Sie dienen aber auch der Realitätsflucht und schaffen Simulationswelten, in denen sich Identitäten wechseln lassen wie modische Accessoires. Identität ist zu einer Variable geworden, die frei wählbar scheint. In Reality-Shows wird Privatleben zur Soap-Opera stilisiert und die scheinbare Authentizität einer Inszenierung für die Medien geopfert.
Die Ausstellung 'Sichtbarkeiten_Zwischen Fakten und Fiktionen' thematisiert die medialen Wirklichkeitsinszenierungen unserer Informationsgesellschaft. Sie hinterfragt den Wahrheitsgehalt der medialen Bilder. Wie lässt sich eine immer komplexer werdende Wirklichkeit darstellen, ohne dass es zu einer verharmlosenden Repräsentation durch Film und Fernsehen kommt? Der Status des Visuellen wird auf den Prüfstand gestellt. Die ausgewählten künstlerischen Projekte benutzen die Mittel der Simulation und Inszenierung, um Realitätskonstruktionen sichtbar und Fiktionen durchschaubar zu machen. Sie benutzen die medialen Formen der Informationsvermittlung, um aus dem Medium heraus die Frage nach Inszenierung und Repräsentation neu zu stellen. Sie handeln vom schmalen Grad zwischen authentischer Erfahrung und inszenierter Authentizität. Die in der Ausstellung gezeigten künstlerischen Werke entwickeln Gegenstrategien und legen die Mechanismen der Manipulation offen. Neben der Erkenntnis der medialen Konstruktion von Wirklichkeit bieten einige der gezeigten Arbeiten Möglichkeiten zur Partizipation und damit die Chance, aktiv in die Produktion massenmedialer Bilder einzugreifen.

Veranstaltungen

22. Januar 2006, 15:00 Uhr
O-N-N. Open News Network - World News as soon as it happens!
O-N-N. Open News Network - World News as soon as it happens! anschließend ab 16 Uhr Teatime in der Edith-Lounge - feiern Sie mit uns den Geburtstag der Stifterin

10. Februar 2006, 20:00 Uhr
Spin. A Documentary on Political Media, 1995
Spin. A Documentary on Political Media, 1995 58 Min., Farbe, Ton

21. Februar 2006, 20:00 Uhr

03. März 2006, 20:00 Uhr
Teknolust, 2001
85 Min., Farbe, Ton In diesem Cyper Punk-Film der amerikanischen Künstlerin Lynn Hershman Leeson produziert die Biogenetikerin Rosetta Stone – gespielt von Tilda Swinton – am Computer heimlich drei Replikanten aus dem eigenen Genmaterial: Ruby, Olive und Marine. Ruby, die älteste und mutigste, geht nachts in den Discos auf Männerfang. In klassischer Hollywood Manier werden sie erst »angemacht« und dann ihrer Spermien beraubt, worauf die Männer mit einem auffälligen Strichcode auf der Stirn und einsetzender Unfruchtbarkeit reagieren. Die Replikanten benötigen das Sperma als Vitalkur und entwickeln allmählich ein unkontrollierbares Eigenleben, in dem Ruby ganz nebenbei jene Liebe entdeckt, die nicht nur pragmatischer und körperlicher Art ist.

14. März 2006, 20:00 Uhr
Blogs als neues Bürgermedium?
Die unbegrenzten Möglichkeiten des Online-Publishing sind schon oft beschworen worden und wurden doch nie eingelöst. Das Themenspektrum von Blogs oder Webblogs reicht von obskuren Spezialgebieten bis zu allgemeinen gesellschaftlich relevanten Fragestellungen. Mit ihnen scheint tatsächlich eine Macht zu entstehen, die es dem Internet-User ermöglicht, eigene politische Meinungen öffentlich kund zu tun und mit anderen Netznutzern über aktuelle Fragen und Probleme zu diskutieren.

18. März 2006, 20:00 Uhr

Edith-Russ-Haus für Medienkunst, Katharinenstraße 23, D-26121 Oldenburg, Tel.: +49(0)441/235-3208, Fax.: +49(0)441/235-2161
Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 14 - 18 Uhr, Samstag - Sonntag 11 - 18 Uhr, Montag geschlossen info@edith-russ-haus.de
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