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Discrete farms. Irgendwo muss das Fleisch doch herkommen

Einzelausstellung: Ute Hörner/ Mathias Antlfinger
14. September 2012 - 25. November 2012
Eröffnung: 13. September 2012, 19:00 Uhr
Pressegespräch: 12. September 2012, 11:00 Uhr

Das EDITH-RUSS-HAUS für Medienkunst zeigt mit der Einzelausstellung Discrete Farms - Irgendwo muss das Fleisch doch herkommen des Künstler-Duos Hörner/Antlfinger eine engagierte Position aktueller Medienkunst. Die neuste Produktion factory≠farm (2011-2012) stellt eine konsequente Fortsetzung ihres Werkes dar, in dem die beiden seit den 1990er Jahren politisch brisante Themen erörtern und kritische Perspektiven auf die Technisierung unserer Lebenswelt eröffnen. Das gesamte Œuvre verhält sich dabei äußerst kommunikativ: in so unterschiedlichen Formaten wie 3-D-Animationen, (virtuellen) Dialogen, Puppenspiel-Adaptionen, Soundskulpturen und Videoarbeiten zeigt sich das Künstler-Paar erfindungsreich in der Transformation akuter, gesellschaftlicher Problematiken.

Im oberen Ausstellungsraum präsentieren Hörner/ Antlfinger ihr Stipendiumsprojekt factory≠farm, in dem die niedersächsische Tierindustrie als lokales Beispiel für das heikle Verhältnis zwischen Menschen und nichtmenschlichen Tieren im Computerzeitalter herangezogen wird. In seinen Recherchen hat das Künster-Duo medialen Erscheinungen und dem Phänomen der Intransparenz dieser Nahrungsmittelindustrie nachgespürt. Bauer Kybers Ops Room lädt dazu ein, sich von der gemütlichen Eckbank aus die grafisch anspruchsvolle Simulation einer 50.000 Hähnchen Mastanlage anzusehen.

In unmittelbarer Nähe steht Kramfors, ein naturalistisch modelliertes Kalb, dem nach systematischer Zerlegung einer Leder-Couch eine neue Haut gefertigt wurde.

In ihrer neusten Videoarbeit treten zwei aktivistische Hasenpuppen als Alter Egos des Künstlerpaars in einen Dialog über alternative Modelle zum Fleischkonsum, eine stetige Kommunikationsform im Werk von Hörner/ Antlfinger, die als künstlerische Methode und im gemeinsamen Planen und Umsetzen von Konzepten Gedanken zur Entfaltung verhilft. Anstelle von Schockbildern tierlichen Elends, entwickeln die beiden – den eigenen erzieherischem Eifer ironisch kommentierend – absurde Bilder und Installationen, surreale Gegenüberstellungen von Ideen des ländlich-idyllischen Bauernhofs und den realen „Black-Boxes“ der Massentierhaltung, die in unsichtbaren Prozessen diskreter Fertigung marktkonforme Fleischerzeugnisse, wie z.B. beinahe serielle Hähnchenbrust „entstehen lassen“.

Ein „schneller Brüter“ ist auch die Grundlage der Installation Dream Water Wonderland (2010). Der sogenannte Brutreaktor des Atomkernkraftwerks Kalkar am Niederrhein schien in den 1970er Jahren die Antwort auf steigenden Strombedarf in Deutschland. Der hochtechnologische Traum platzte und hinterließ einen absurden Standort gescheiterter Technikgeschichte, der heute als Freizeitpark umgenutzt wird. Dream Water Wonderland nutzt diese dissonante Kulisse in einem Installations-Ensemble, das begleitet wird von einer Erzählung über energiebedürftige Vogelwesen, die eine absonderliche Synthese aus technischer und biologischer Welt verkörpern.

Die zweiteilige Rauminstallation Contact Call (2008) macht ähnliche Überschreitungen technologischer und natürlicher Sphären klanglich erfahrbar: Die effektivsten „Lockrufe“ unserer Zeit, nämlich Handyklingeltöne, gehen von der Installation aus. Contact Call verbindet Sound- und Klangskulptur und entfacht einen betörenden Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Besuchenden. Erst beim Herantreten an die Installation wird deutlich, wer die Urheber des Getöses sind, das in Kunstausstellungen meist eher als Störung empfunden wird.

Das umfangreiche, begleitende Rahmenprogramm zur Ausstellung ergänzt die ausgestellten Positionen um die aktivistische Praxis veganer Lebensweise im lokalen Oldenburger Zusammenhang, in dem auch die kritisierten Fleischfabriken zu finden sind.

Das umfangreiche Vermittlungsprogramm zur Ausstellung wurde von Barbara Loreck erarbeitet.

Veranstaltungen

22. September 2012, 18:00 Uhr

04. Oktober 2012, 15:30 Uhr
Media Education Lounge für Multiplikator_innen
Ausstellungsrundgang / Ideenwerkstatt mit Barbara Loreck

04. Oktober 2012, 19:00 Uhr
Präsentation der Stipendiaten 2012
Vorstellung der Projekte des Stipendiums für Medienkunst 2012, gefördert von der Stiftung Niedersachsen

15. Oktober 2012, 11:30 Uhr
Kooperation mit dem Studentenwerk Oldenburg
Videoinstallationen aus der Ausstellung und wechselndes, veganes EDITH-RUSS-HAUS-Menü in der Mensa des Studentenwerkes an der Carl von Ossietzky Universität im Uhlhornsweg

22. Oktober 2012, 19:00 Uhr
Fleischlos 1
Dokumentarfilm-Screening zum Thema Tierrecht

23. Oktober 2012, 19:00 Uhr
Katalogpräsentation Discrecte Farms und Vortrag
Release-Veranstaltung zum Erscheinen des Katalogs zur Ausstellung

29. Oktober 2012
Theaterworkshop mit Hubert Mahela-Katemba
in Kooperation mit EMMIR (European Master in Migration and Intercultural Relations)/Universität Oldenburg und Barbara Loreck

08. November 2012, 19:00 Uhr

15. November 2012

25. November 2012, 11:00 Uhr
Buddhistische Wochen bei Bauer Kyber
Vegan kochen und filmen für Freunde.


Gefördert durch

Edith-Russ-Haus für Medienkunst, Katharinenstraße 23, D-26121 Oldenburg, Tel.: +49(0)441/235-3208, Fax.: +49(0)441/235-2161
Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 14 - 18 Uhr, Samstag - Sonntag 11 - 18 Uhr, Montag geschlossen info@edith-russ-haus.de
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