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reality checkpoint – körperszenarien

22. Januar 2000 - 05. März 2000

Die Ausstellung »reality checkpoint – körperszenarien« gibt nicht nur einen Ausblick auf das zukünftige Ausstellungskonzept des neuen Hauses für Medienkunst in Oldenburg, sondern will im mehrfachen Sinn Ortsbestimmung und Zäsur im kulturellen Umbruch sein.

Wie übersetzt Medienkunst das, was heute »Körper« ist? Das Bild des Körpers ist virtuell geworden, inwieweit verändert sich dadurch der Körper selbst? Wenn Gentechnologie durch Informationsänderung neue Körpereigenschaften modelliert, ist das Konzept des Menschen in Gefahr, zum Konzept einer lebenden Informationsstruktur zu werden.

Kunst entwirft und erfindet verschiedene Weisen, sich mit diesem Skandalon auseinanderzusetzen. Sie begreift den Körper als Projektionsfläche und Experimentierfeld für verschiedene Fantasien, Ideen und Konzepte. Körper - das kann die medial geglättete Oberfläche, die perfekte Hülle ebenso sein, wie der durch Medien deformierte, transformierte oder zergliederte Korpus. Über die technologischen und ästhetischen Strukturen der alten und neuen Medien entstehen Konzepte vom Körper, die in ihrer Vielfalt Entgrenzungen traditioneller Wahrnehmungen zulassen und neue, auch gesellschaftliche Perspektiven auf den Menschen eröffnen.

Die Ausstellung »reality checkpoint – körperszenarien« ist eine Gruppenausstellung, die verschiedene Facetten aktueller künstlerischer Statements zum Umgang mit einem sich wandelnden Körperkonzept zur Diskussion stellt. Dies geschieht über verschiedene Medien und Techniken wie Sound, Performance, Video, Fotografie, Animation und Netzkunst.

Künstler*innen:


Anna Anders

Anna Anders' Videoinstallationen behandeln den Bildschirm als Trennwand, als Interface zwischen physisch realer und virtueller Welt. »Touchscreen«, eine Video/Computerinstallation, ausgezeichnet mit dem 1. Marler Video-Installations-Preis, ist eine interaktive Arbeit, die es den Besuchern ermöglicht, durch Berührung des Bildschirms mit der dahinter existierenden Realität Kontakt aufzunehmen und Reaktionen der virtuellen Bewohner hervorzurufen.

Co-Autor: Klaus Gasteier






Michael Ballou

Inspiriert vom naheliegenden Alltäglichen und Situativen, das er als digitale Notizen festhält, entwickelt der New Yorker Künstler Michael Ballou Videoproduktionen, die neue und alte Aufnahmetechniken ästhetisch wirkungsvoll miteinander verbinden. In der Ausstellung werden Kurzfilme des Stipendiaten der Philip-Morris-Kunstförderung gezeigt und eine öffentliche Aktion befaßt sich mit Oldenburger Personendenkmälern und ihren »öffentlichen Körpern«.










Birgit Brenner

In »Angst vor Gesichtsröte«, einem provozierenden, distanzlosen Text, der mit einem roten Wollfaden und umwickelten Nägeln großformatig an den Wänden der Ausstellung geschrieben steht, thematisiert Birgit Brenner den Körper als Ort der stetigen Verwandlung. Die damit einhergehenden Bewußtseinszustände und Ängste sind zugleich Thema und Motiv dieser Arbeit der Meisterschülerin Rebecca Horns.










Shu Lea Cheang

Das Projekt Brandon untersucht die Übergänge zwischen den Geschlechtern nicht nur als kulturelles, sondern auch als technologisches Phänomen. Der Titel stammt von Brandon/Teena Brandon aus Nebraska, USA, einem Transsexuellen, der 1993 vergewaltigt und ermordet wurde, nachdem seine weibliche Anatomie entdeckt worden war. »Brandon« wurde im Auftrag des Virtuellen Museums und der permanenten Sammlung des Guggenheim Museums von Shu Lea Cheang entworfen und erhält in Oldenburg die offene Schnittstelle »bigdoll«. Mit der Computermouse erhält »bigdoll« auf zufällige Weise 50, sich ständig ändernde Bilder, die die Ikonographie von Geschlecht und Identität untersuchen. Wird das Zentrum von 15 Bildern angeklickt, enthüllt sich eine sich wiederverbindende »bigdoll«. Die Schnittstelle in der Ausstellung ist offen für den Zugang vom Netz. Benutzer sind eingeladen 50 Bilder über das Internet zu senden, um die Webseite und die Projektion in der Ausstellung zu verändern.

Stephan Froleyks, Sainkho Namtschylak und Sebastian Winkels

»Innen-Aussen-Mongolei« ist eine intermediale Komposition für die Bühne. Die Arbeit kreist um das thematische Zentrum Raum: Ferne/Nähe. Die »Reise in die Mongolei« ist die methodische Verbindung zwischen zwei entfernten Orten und zwei gegensätzlichen Kulturen. Das Gemeinsame verkörpert sich in der musikalischen Praxis. Die Künstler trafen Kollegen der gleichen Zunft in einem der entlegensten Teile der Erde. Die Erfahrungen, Bilder und die Musik werden mit zahlreichen Medien, wie Film, selbstgebaute musikalische Objekte und nicht zuletzt von den Musikern selbst, als Träger des Wissens zurück in die Heimat transportiert. Im Edith-Ruß-Haus wird das gesammelte Material in einem Live-Geschehen verarbeitet.








Kirsten Geisler

Kirsten Geisler entwirft virtuelle Portraits von Menschen, schokkierend realistisch in ihrer Nähe und Größe, faszinierend in ihrer makellosen Schönheit und beklemmenden Künstlichkeit. Der Spiegel, den sie damit dem Betrachter vorhält, wirft die Frage nach der eigenen Konstruiertheit auf, nach Identität und »Natur« des Menschen. Die stereotype Schönheit steht als Metapher für die alte Idee des perfekten, vollendeten Körpers.

Dass sich die computergenerierten Portraits auch ansprechen lassen, daß sie auf reduzierte Weise in eine Interaktion mit ihrem Gegenüber treten, erhöht nur den Schrecken und die Lust an der Irritation. Das Augenzwinkern der »virtual beauty« verheißt viel, beantwortet aber nichts.

Eduard Gorokhovski

Eduard Gorokhovski zählt zur Gruppe der nonkonformistischen Künstler um Ilya Kabakov, die im post-stalinistischen Rußland an vorderster Front der kulturellen Auseinandersetzung zwischen Doktrin und Weltkunst- Entwicklung standen und schließlich aus dem Land vertrieben wurden.

Seine gegenwärtige Kunst ist bei einer fotografischen Ausein-andersetzung mit Form, Körper und Fläche angelangt. Die ausgewählte Serie zeigt Auseinandersetzungen mit Körper und Formgut des Bauhauses, das von der Geometrie in besonderem Maße beherrscht wird.

















Bjørn Melhus

»Limboland« ist der symbolische Schauplatz der international ausgezeichneten Videoarbeiten von Bjørn Melhus. Ein Niemandsland, in das der Künstler märchenhafte Erzählungen von Wesen setzt, die elektronisch verdoppelt, Entfremdungsprozessen und Identitätsverschiebungen ausgesetzt sind. Dem Künstler, selbst Protagonist seiner Inszenierungen, gelingt es im Rückgriff auf den reichen visuellen und auditiven Fundus der Film- und Fernsehkultur den beängstigenden Raum zwischen Original und Kopie, physischer und virtueller Realität und den »verstörenden Folgen der technologischen Reproduzierbarkeit des Menschen« vermittelnd auszuloten.





Werner Nekes

Werner Nekes, der wohl wichtigste deutsche Experimentalfilmer, stellt seinen jüngsten Film »Der Tag des Malers« von 1997 zur Diskussion. Aus wechselnden bildnerischen und filmästhetischen Perspektiven (vom Dürerschen Meßgerät bis zur experimentellen Kamera) wird der männliche Blick auf den weiblichen Akt in seiner kulturgeschichtlichen Entwicklung thematisiert und problematisiert. Werner Nekes wird bei der Vorführung anwesend sein.

Nekes, der u. a. mehrere Jahre als Professor an der Kölner Kunsthochschule für Medien unterrichtet, wird »artist in residence« des Edith-Ruß-Hauses sein und im November 2000 einen Workshop mit Medienkünstlerinnen und Medienkünstlern durchführen.

David Patton

David Patton, Stipendiat der Philip-Morris-Kunstförderung, ist Musiker, Maler und Performer. In seinen Stücken und Performances verarbeitet er Laute und Geräusche seiner unmittelbaren Umgebung. In einer Lifeperformance wird er den Versuch unternehmen, einen bekannten Musiktitel, konserviert auf einer LP, mit der Hand in der adäquaten Abspielgeschwindigkeit auf einem Schallplattenspieler zum Klingen zu bringen. Im Verhältnis zur Präzision der Technik ein hilfloses Unterfangen. Doch wird den Zuhörerinnen/Zuhörer eine gänzlich neue Version eines bekannten Titels zu Gehör gebracht. Die Kopie wird zum Original.

















Debra A. Solomon

the_living: project brainstorm

Seit Jahren haben Wissenschaftler erforscht, auf welche Weise lebende Menschen eingefroren und wieder aufgetaut werden können. Dieser Zustand wird als Cryostasis bezeichnet und soll dazu dienen, die Unsterblichkeit zu erreichen oder den drohenden Tod durch eine Krankheit hinauszuzögern bis eine Behandlung für die spezifische Krankheit entwickelt sein wird.

Wie könnte man Cryostasis erreichen? Die Antwort liegt im Inneren eines Frosches. Jedes Jahr friert der Frosch im winterlichen Eis ein und im Frühling taut er wieder auf und lebt weiter. Indem die Wissenschaftler des Projekts brainstorm den Frosch als Modell benutzt haben, war es ihnen möglich, eine Technik zu entdecken, auch Menschen einzufrieren und aufzutauen. - Einfach indem die Menschen in den Körper einer gefrorenen Amphibie versetzt werden.

..................und genau dort sind Sie jetzt gerade: Im Inneren des Frosches!

Lassen Sie uns gemeinsam das Projekt brainstorm durchspielen:

Im Inneren des Frosches könnten Sie ein Wissenschaftler sein, der die Umgebungstemperatur kontrolliert. Oder arbeiten Sie in der Familie oder im Freundeskreis einen Plan aus, wie für Großmama gesorgt werden kann, wenn sie in 300 Jahren aus der Cryostasis kommt und erweckt wird und Sie selbst schon lange tot sein werden.

Im Spielzimmer des Projekts brainstorm werden die Teilnehmer laufend gefilmt und online gebracht.

  • Sie können diesen Raum für Zukunftsszenarien benutzen.
  • Sie können die Bilder anklicken und abspielen (click and play), die auf den Computern gespeichert sind. So können Sie Ihr eigenes Szenario zum Thema Cryostasis entwickeln.
  • Sie können die Quicktime-Movies anklicken und abspielen (click and play), um zu sehen, wie die Wissenschaftler des Projekts brainstorm die Technik des Einfrierens und Auftauens für lebende Menschen entwickelt haben.

Wie sind Sie ins Innere des Frosches gelangt?

  • Sie können online an einem Chat mit Personen teilnehmen, die auch Zukunftsszenarien zum Thema Cryostasis entwickeln. Oder chatten Sie mit den Wissenschaftlern des Projekt Brainstorm persönlich.
  • Sie können an einem Medienworkshop teilnehmen, in dem man gemeinsam Szenarios zum Thema Cryostasis entwickeln wird.
Edith-Russ-Haus für Medienkunst, Katharinenstraße 23, D-26121 Oldenburg, Tel.: +49(0)441/235-3208, Fax.: +49(0)441/235-2161
Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 14 - 18 Uhr, Samstag - Sonntag 11 - 18 Uhr, Montag geschlossen info@edith-russ-haus.de
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