Archiv

Kein angemeldeter Benutzer
Anmelden | Registrieren | Passwort vergessen

Rafael Lozano-Hemmer - RECORDERS

07. Juni 2008 - 17. August 2008
Eröffnung: 06. Juni 2008, 19:00 Uhr
Pressegespräch: 04. Juni 2008, 14:00 Uhr

Rafael Lozano-Hemmer: Pulse Room (Puebla, México 2006)
Photo: Antimodular Research
Rafael Lozano-Hemmer: Pulse Room (Puebla, México 2006) Photo: Antimodular Research
RECORDERS, die erste Einzelausstellung des mexikanisch-kanadischen Künstlers Rafael Lozano-Hemmer in Deutschland, lädt die Besucher zum Mitmachen ein. Erst durch die Interaktion der Betrachter werden die Werke mit Leben erfüllt. Das Edith-Russ-Haus für Medienkunst präsentiert drei aktuell entstandene interaktive Installationen, welche körperliche, akustische und visuelle Spuren von Besuchern in der Ausstellung mittels digitaler Technologien erfahrbar machen. Es entstehen Erlebnis- und Erinnerungsräume, die Vergangenes und Gegenwärtiges zu einander in Beziehung setzen.






„Meine Arbeiten existieren gar nicht, wenn ihnen nicht jemand etwas Zeit widmet.“

Rafael Lozano-Hemmer


In Pulse Room werden die Pulsschläge der Ausstellungsbesucher auf 100 Glühbirnen übertragen, die von der Decke abgehängt werden. Das Interface, ein schlichter Metallgriff, überträgt nach zehn Sekunden den Pulsschlag eines Besuchers auf eine Glühbirne. Berührt ein weiterer Besucher den Griff, so überträgt sich dessen Pulsschlag auf die erste Glühbirne und der Rhythmus des Vorgängers wird auf die nächste Glühbirne in der Reihe übertragen – so sind permanent die digitalen Spuren von 100 Besuchern in dieser poetischen Installation in der Ausstellung präsent.

In Microphone benutzt Lozano-Hemmer ein altmodisches Mikrofon aus den 1930er Jahren, welches mit einem Lautsprecher ausgestattet wurde. Spricht der Besucher in das Mikrofon, reagiert dieses, indem es die Aufnahmen vorheriger Besucher abspielt. Der Effekt ist irritierend, so als würde das technische Gerät selbst antworten und einen Dialog inszenieren.

Die interaktive Installation Close-up wiederum konfrontiert den Betrachter mit zeitverzögerten Bildaufnahmen von anderen Ausstellungsbesuchern. Die Schatten von hunderten von Besuchern fügen sich zur Silhouette des jeweiligen Betrachters zusammen. Er erkennt sich selbst im collagierten Porträt vorheriger Besucher.

In RECORDERS sind es die Ausstellungsbesucher selbst, die die Inhalte der interaktiven Installationen generieren. Lozano-Hemmer lädt das Publikum zur aktiven Teilhabe ein und bietet über seine intuitiv gestalteten Interfaces neue sensorische Wahrnehmungsmöglichkeiten. Trackingsysteme und Mustererkennungssoftware, die in der Überwachungstechnologie eingesetzt werden, erfahren in seinen Arbeiten eine Umwidmung. Nicht die Kontrollfunktion wird in Szene gesetzt, sondern eine Komplizenschaft zwischen Mensch und Maschine, der soziale Aspekt der Kommunikation, formuliert. Dabei wird die Interaktion zwischen Mensch und Maschine als intimer Austausch zwischen Betrachter und Werk inszeniert.

In seinen großformatigen Arbeiten für öffentliche Räume gelingt es Lozano-Hemmer, die sensible Interaktion zwischen Betrachter und technischem System zu einer kollektiven Erfahrung werden zu lassen. Aus diesem Grund werden in der Ausstellung im Edith-Russ-Haus für Medienkunst auch Dokumentationen einiger groß angelegter urbaner Projekte aus der Serie der Relational Architectures gezeigt. In Vectorial ElevationUnder ScanFrequency and Volumeoder Body Movies werden Werke vorgestellt, in denen Passanten unerwartet zu Akteuren werden, indem sie in Schattenspielen auf Fassaden öffentlicher Gebäude oder Plätze Bilder sichtbar oder Radiofrequenzen hörbar machen oder über den virtuellen Raum des Internets reale Aktionen im öffentlichen Raum steuern können. 

„Wie die meisten Menschen lebe ich gerne stellvertretend durch die Technologie. Verstärkung, Simulation, Telematik und Dinge, die abstürzen, haben etwas Verführerisches für mich. Ich arbeite mit Technologie, weil das unvermeidlich ist. Technologie ist eine der Sprachen der Globalisierung. Ich nenne sie gern eine Sprache, weil damit zwei signifikante Attribute verbunden sind: Erstens, dass Technologie nicht zu trennen ist von zeitgenössischer Identität – dass es nichts gibt, das wir ‚vor aller Technologie lieben’ – und zweitens, dass Technologie nichts Erfundenes oder Produziertes ist, sondern vielmehr etwas, das sich durch ständig wandelnde soziale, ökonomische, physische und politische Kräfte entwickelt hat.“

Rafael Lozano-Hemmer



Weitere Informationen finden Sie auch unter www.lozano-hemmer.com


Rafael Lozano-Hemmer: Pulse Room
Photo: Antimodular Research
Rafael Lozano-Hemmer: Microphone, 2008
Photo: Antimodular Research
Rafael Lozano-Hemmer: Close-up, 2006
Photo: Antimodular Research
Rafael Lozano-Hemmer: Frequency and Volume, Relational Architecture 9, 2005
Photo: Antimodular Research
Rafael Lozano-Hemmer: Under Scan, Relational Architecture 11
Photo: Antimodular Research


Gefördert durch

Edith-Russ-Haus für Medienkunst, Katharinenstraße 23, D-26121 Oldenburg, Tel.: +49(0)441/235-3208, Fax.: +49(0)441/235-2161
Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 14 - 18 Uhr, Samstag - Sonntag 11 - 18 Uhr, Montag geschlossen info@edith-russ-haus.de
Impressum     Sitemap     
Ein Ausstellungshaus der
Stadt Oldenburg