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Sichtbarkeiten_Zwischen Fakten und Fiktionen
21. Januar - 19. März 2006
Eröffnung: Freitag, 20. Januar 2006, 20 Uhr
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Saskia Olde Wolbers "Placebo", 2002
KünstlerInnen:
The Atlas Group / Walid Raad, Miriam Bäckström, Shane Cooper, Harun Farocki, Benjamin Heisenberg, Lynn Hershman, Korpys/Löffler, Marc Lee und Christoph Ganser, Aernout Mik, Michael Najjar, Saskia Olde Wolbers, Sean Snyder, Brian Springer, The Yes Men

Korpys/Löffler "The Nuclear Football", 2004
© Korpys/Löffler, VG Bild-Kunst, Bonn 2006
In einer Gesellschaft, in der Realität vor allem über die Kanäle der Massenmedien vermittelt wird und deren digital produzierte Bilder von Computern analysiert und interpretiert werden, stellt sich die Frage, wie sich heute zwischen Fakten und Fiktionen noch unterscheiden lässt. Unsere Wahrnehmung orientiert sich zuerst am medial vermittelten Bild. Mediale Erfahrung gilt als die Norm aller ästhetischen Erfahrung, es gibt kein 'jenseits der Medien'. Die Bilder der Medienwelt konstruieren Realität und somit ist auch Identität heute zunehmend medial gebunden. Ein Ereignis scheint erst durch die Übertragung in Fernsehen oder Internet zum 'realen' Ereignis zu werden und der Medientheoretiker Jean Baudrillard spricht davon, dass der Zugang zu einer wie auch immer gearteten konkret erfahrbaren Wirklichkeit im Zeitalter elektronischer Massenmedien verloren ist.

Benjamin Heisenberg "Meier, Müller, Schmidt II", 2005
© Benjamin Heisenberg, VG Bild-Kunst, Bonn 2006
Digitale Technologien sind ein Teil unseres Alltags geworden und beeinflussen unser Handeln und Sein. Wir sind konfrontiert mit einer Evolution von Wahrnehmungs-möglichkeiten in Raum und Zeit, die fundamental mit der elektronischen Informations-technologie verbunden sind. Jonathan Crary beschreibt in seinem Buch "Techniken des Betrachters" (1996) die Abstraktion des Visuellen, die Veränderung unserer Wahrnehmung durch computergesteuertes Sehen und verweist darauf, dass neue Techniken der Bild-produktion zu dominanten Visualisierungsmodellen wurden. Wir stehen als Betrachter der Welt nicht distanziert gegenüber, sondern sind ein Teil des Systems, Teil der globalen Netzwerkstrukturen. Persönliche Erfahrungen finden nicht mehr nur im materiellen Realraum statt, sondern auch in der abstrakten Welt der elektronischen Netzwerke. In ihnen bilden sich neue soziale Kommunikationsstrukturen aus, die eine demokratische Mitbestimmung vieler an gesellschaftlichen Prozessen ermöglichen. Sie dienen aber auch der Realitätsflucht und schaffen Simulationswelten, in denen sich Identitäten wechseln lassen wie modische Accessoires. Identität ist zu einer Variable geworden, die frei wählbar scheint. In Reality-Shows wird Privatleben zur Soap-Opera stilisiert und die scheinbare Authentizität einer Inszenierung für die Medien geopfert.

Ausstellungsansicht
Die Ausstellung 'Sichtbarkeiten_Zwischen Fakten und Fiktionen' thematisiert die medialen Wirklichkeitsinszenierungen unserer Informationsgesellschaft. Sie hinterfragt den Wahrheitsgehalt der medialen Bilder. Wie lässt sich eine immer komplexer werdende Wirklichkeit darstellen, ohne dass es zu einer verharmlosenden Repräsentation durch Film und Fernsehen kommt? Der Status des Visuellen wird auf den Prüfstand gestellt.
Die ausgewählten künstlerischen Projekte benutzen die Mittel der Simulation und Inszenierung, um Realitätskonstruktionen sichtbar und Fiktionen durchschaubar zu machen. Sie benutzen die medialen Formen der Informationsvermittlung, um aus dem Medium heraus die Frage nach Inszenierung und Repräsentation neu zu stellen. Sie handeln vom schmalen Grad zwischen authentischer Erfahrung und inszenierter Authentizität. Die in der Ausstellung gezeigten künstlerischen Werke entwickeln Gegenstrategien und legen die Mechanismen der Manipulation offen. Neben der Erkenntnis der medialen Konstruktion von Wirklichkeit bieten einige der gezeigten Arbeiten Möglichkeiten zur Partizipation und damit die Chance, aktiv in die Produktion massenmedialer Bilder einzugreifen.

Ausstellungsansicht
Die Ausstellung wird gefördert vom Land Niedersachsen und Pro Helvetia.
Zur Ausstellung erscheint eine Publikation.
Veranstaltungen:
Sonntag, 22. Januar, 15 Uhr, Präsentation
Marc Lee
O-N-N. Open News Network - World News as soon as it happens!
anschließend ab 16 Uhr
Teatime in der Edith-Lounge - feiern Sie mit uns den Geburtstag der Stifterin
Freitag, 10. Februar, 20 Uhr, Filmpräsentation
Brian Springer
Spin. A Documentary on Political Media, 1995
58 Min., Farbe, Ton
Dienstag, 21. Februar, 20 Uhr, Vortrag
Prof. Dr. Jens Thiele
Verwirrende Erzählungen. Zur veränderten Rolle der Montage im postmodernen Film
Freitag, 3. März, 20 Uhr, Filmpräsentation
Lynn Hershman Leeson
Teknolust, 2001
85 Min., Farbe, Ton
In diesem Cyper Punk-Film der amerikanischen Künstlerin Lynn Hershman Leeson produziert die Biogenetikerin Rosetta Stone gespielt von Tilda Swinton am Computer heimlich drei Replikanten aus dem eigenen Genmaterial: Ruby, Olive und Marine. Ruby, die älteste und mutigste, geht nachts in den Discos auf Männerfang. In klassischer Hollywood Manier werden sie erst »angemacht« und dann ihrer Spermien beraubt, worauf die Männer mit einem auffälligen Strichcode auf der Stirn und einsetzender Unfruchtbarkeit reagieren. Die Replikanten benötigen das Sperma als Vitalkur und entwickeln allmählich ein unkontrollierbares Eigenleben, in dem Ruby ganz nebenbei jene Liebe entdeckt, die nicht nur pragmatischer und körperlicher Art ist.
Dienstag, 14. März, 20 Uhr, Vortrag
Sabine Himmelsbach
Blogs als neues Bürgermedium?
Die unbegrenzten Möglichkeiten des Online-Publishing sind schon oft
beschworen worden und wurden doch nie eingelöst. Das Themenspektrum von
Blogs oder Webblogs reicht von obskuren Spezialgebieten bis zu
allgemeinen gesellschaftlich relevanten Fragestellungen. Mit ihnen
scheint tatsächlich eine Macht zu entstehen, die es dem Internet-User
ermöglicht, eigene politische Meinungen öffentlich kund zu tun und mit
anderen Netznutzern über aktuelle Fragen und Probleme zu diskutieren.
Samstag, 18. März, 20 Uhr, Filmpräsentation
Harun Farocki
Die Schöpfer der Einkaufswelten, 2001
72 Min., Farbe, Ton
Öffnungszeiten:
Di-Fr 14-17 Uhr
Sa-So 11-17 Uhr
Führungen:
Jeden Sonntag, 15 Uhr
Am 26. Februar und 19. März Führung von Sabine Himmelsbach, Leiterin des Edith-Ruß-Hauses für Medienkunst.
Gruppenführungen nach Absprache
Eintritt:
2,50 / 1,50 EUR
Edith-Ruß-Haus für Medienkunst
Katharinenstraße 23
D-26121 Oldenburg
Tel.: 04 41/ 235 32 08
Fax: 04 41/ 235 21 61
Pressebilder finden Sie hier
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