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The Doubt of the Stage Prompter

19. Februar 2015 - 19. April 2015
Eröffnung: 19. Februar 2015, 19:00 Uhr
Pressegespräch: 19. Februar 2015, 19:00 Uhr

(Der Zweifel des Souffleurs/der Souffleuse)

 

SVEN JOHNE / JUMANA MANNA

19. Februar - 19. April 2015

 

Der Titel der Doppelausstellung von Sven Johne und Jumana Manna beschwört ein Bild, gleichsam einem eindringlichen kinematografischen Zeichen: einen in einem klaustrophobischen Kasten vor und etwas unterhalb der Theaterbühne hockenden Souffleur. Eine kleine Tischleuchte wirft Licht auf die Seite, auf die er den Blick heftet, während der Widerschein des Papiers sein beunruhigtes Gesicht erhellt. Etwas im Rollenheft stimmt nicht so recht. Etwas fehlt, und die kausalen Zusammenhänge zwischen Geschehen und Charakteren scheinen aus den Fugen geraten, schaffen Skepsis angesichts der noch kommenden Seiten ...

 

Der Zweifel der Souffleure hinsichtlich der Richtigkeit des vorgegebenen Rollentextes - ein Theaterstück in seiner großen narrativen Totalität - spiegelt sich in der künstlerischen Praxis Mannas wie auch Johnes. Es ist dieser grundsätzliche Zweifel, von wissbegieriger Neugier geschürt, der Platz für alternative Geschichten macht, einen Raum eröffnet, wo Geschichte neu erzählt werden kann.

 

JUMANA MANNA: A Sketch of Manners (Alfred Roch's Last Masquerade), 12 min HD video, 2013

The Doubt of the Stage Prompter ist die erste umfassende Ausstellung ausgewählter Videoarbeiten der Künstler. Mit erfindungsreicher Sprache treten sie in Dialog über das Geschichtenerzählen sowie die Beziehung zwischen Historie und Fiktion, hinterfragen auf breiter Ebene eine Konstruktion von Geschichte, die durch zahllose fehlende Stimmen und Seiten aus dem Skript oftmals unvollständig bleibt.

 

Jumana Manna wie auch Sven Johne sind fesselnde Geschichtenerzähler mit der anspruchsvollen Fähigkeit, ausgreifende Handlungsverläufe aus winzigsten erzählerischen Details heraus zu entspinnen. "Die anachronistische Wiedereinführung der Erzählung als Träger größerer historischer Narrativen sowie als Mittel zur Konstruktion von Aktualität" ist eine zentrale künstlerische Strategie Mannas wie auch Johnes in der Weise, wie beide mit Geschichte arbeiten. Dies geschieht in Anlehnung an Peter Osbornes Gegenwartsbegriff als einer global-transnationalen Vorstellung, gestützt auf Stimmen von narrativer Autorität, die bisweilen auch fiktional sind.

 

SVEN JOHNE: Some Engels, 27min HD video, 2013

Die Leidenschaft für und Hingabe an die Erzählweisen von Geschichte werden bestärkt durch den besonderen biografischen Blickwinkel der Künstler.

 

Abgesehen von dem allgemeinen, ihrem persönlichen Hintergrund geschuldeten Interesse Sven Johnes und Jumana Mannas an ideologischen Konstrukten von Geschichte und ihrer aktuellen Bedeutung gibt es noch einen weiteren methodologischen Ansatz, der die Bewegtbilder im Œuvre beider Künstler in Dialog zueinander setzt. Beide teilen die Begeisterung an der Auseinandersetzung mit einer Fülle filmischer, theatralischer wie auch fernsehtechnischer erzählerischer Gestaltungsmittel. Sie untersuchen das Potenzial eines Castinggesprächs als Format, die Illusion von Intimität im dokumentarischen Interview, die Erweiterung der Imagination durch eine Gruppenaufnahme, die unbeholfene Kraft eines filmischen Monologs oder die bekenntnishafte Rede. Diese formalen Elemente bieten eine Strukturierungsweise, durch die ihre Geschichten kaskadieren und sich vielfältige Bedeutungsebenen im Rückverweis auf solche Konventionen auftun.

 

Johne und Manna suchen akribisch nach bestimmten Momenten der Geschichte, die unsere Vorstellung der Dinge verändern. Gleichwohl meiden sie den Fetischismus und die Nostalgie nach verloren gegangenen Details, richten ihr Augenmerk vielmehr auf die eigene Erinnerung, um sie für ein besseres Verständnis der Gegenwart zu erschließen. Wie der Zeremonienmeister in Sven Johnes Video The Greatest Show on Earth schlussendlich sagt: "Sie kreist noch immer über uns: Nadjeschda, die Hoffnung. Die sowjetische Aufklärungssonde sollte einst den Mars erreichen, doch sie blieb in der Erdumlaufbahn. General Gorodki, ihr Konstrukteur, verlor damals seinen Posten. Heute Abend ist er bei Ihnen. Er wird versuchen, live von dieser Bühne Kontakt zu Nadjeschda aufzunehmen. Was werden die beiden sich zu sagen haben?"

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